Ut ameris, amabilis esto

Ut ameris,

amabilis esto

Vangelo

Kapitel 1      CUI BONO?

Es fing mit einer Einstellung an.

„Entschuldige, würdest du so nett sein und dich vorstellen?“

„In Künstlerkreisen nenne ich mich Nancy Turval. Und sie nennen sich wie?“

Frau Turval hat etwas von der C. S. und ohne weiteres könnte nach ihr benannt werden, was so viel Wirkung hervorrief und den personifizierten Bumerang-Effekt nicht verkennen ließ. Erstens mangelt es ihr nicht an Drive, und so hat sie mich in ihren Bann gezogen, einen, der ausgenutzt werden sollte und fälschlich ein gleiches Ziel erkennen wollte. Denn es  besteht ein großer Unterschied zu ihrer eigenen Vision, sowohl in der menschlichen Tragik als auch in der wissenschaftlichen Exaktheit. Zweitens ist sie bei mir an einen Partner geraten, der ihr haushoch überlegen ist.

„Du verstehst, ich habe einen offiziellen Status. Ich bin für dich Generaldirektor. Ich kann dir helfen, deine Ideen zu verwirklichen.“

Kann sie nicht mitmachen, ist schon Schluss. Sie gehört allem Anschein nach nicht zu denen, die das Fürchten lernen wollen, ernsthaft bemüht, daraus zu entnehmen, was nie anders in Erfahrung zu bringen ist. Eine festgelegte und damit innerlich gefestigte Aussage, denn sie nannte sich Nancy Turval, sprach von Erfolg versprechender Zuwendung (Ratschläge, Zuneigung und Unterwürfigkeit bei Erfolg). Immer, wenn eine Erniedrigung schicksalhaft bevorsteht, ist Nancy da. Der Zustand unerfüllter Liebe war so tief verwurzelt, da es den Beginn unvorstellbar intensiver Kunsterlebnisse in Aussicht stellt. Dieser Prozess war im alten China (im 5. Jahrhundert – Kunstwerke sollen mit Leben erfüllt werden können) auf einer anderen Ebene bekannt, wobei die theoretische Durchdringung noch lange nicht in der Künstlerpraxis widergespiegelt werden konnte. Dieser Rückgriff auf die Vergangenheit kann so stark fesseln, da sich Abgründe auftun. Ist Nancy dann schon so nahe an der Praxis heran, dass sich eine Beschreibung lohnt, wird weit in die Zukunft vorgedrungen, die Traum bleibt. Wenn sie aus der Tiefe nicht auftauchen kann, geht der Sinn unter wie ein leck gewordener Dampfer dem Meeresboden zustrebt. Jeder zu Tage tretende Fakt ist ein Zeichen dafür, dass eine ausreichende Vorarbeit fehlt. Ist diese Selbsterkenntnis so selbstkritisch, dass eine Grenze anerkannt wird, wird Selbstverleugnung daraus.

Theoretisch darf der Wunsch nach Selbsterkenntnis nie so stark werden wie zuvor, als noch der Aufnahmefähigkeit keine Grenzen gesetzt waren. Somit lässt solch ein Vergleich verhindern, wenn alles um uns durch Erneuerung imponiert, wenn für alles auf der Welt eine eigene Linie gebraucht wird, dass der glücklichen Fügung abgesagt wird. Ein Vergleich mit Nancy Turval, die selber sehr auf eine Distanz bedacht ist. Hier liegt das Glück, der Schritt in das ersehnte und bleibende abgrundtiefe Selbstbewusstsein. Nancy hätte an meiner Stelle … Sie wollte, dass ein unterlegener, nicht immer zu Kompromissen bereiter Aufsteiger nach eigener Bestätigung sucht. Lange Suche wird etwas hervorbringen, womit das Gefühl erreicht wird, selber dazuzugehören. Insbesondere mit denen gehen, die nicht aufgeben können. Wer zeigt besser die Einigung in glücklicher Fügung, das Anstacheln, und wenn es Dornen sind?

Nancy musste sich wie alle orientieren, einen Vergleich durfte sie nicht scheuen: es war das beste Beispiel, wie es um das Erreichen des Ziels bestellt ist, zur Einsicht zu bringen.

Auf einmal verstandene, d. h. eingesehene Zuneigung, die so lange gesucht wurde, weil sie vorhanden war, aber wo? An diesem Halt, der von denen gegeben werden kann, die uns umgeben, orientiert sich das Aufgreifen von Nancy Turval. Je stärker der Halt wurde, desto größer wurde die Zuneigung zur Turval. Da es theoretisch nicht an eine konkrete Person gebunden sein muss, ist das Nachdenken über Nancy Turval sicher künstlich.

Nicht immer ist eine konkrete Situation, sei es, dass diese an eine konkrete Person gebunden ist, ausreichend kontrollierbar. Erst, wenn gelernt werden kann, die konkreten Schritte ohne Fehl und Tadel auszuüben, tritt eine Turnüre in Erscheinung. Da geht die Kontrolle in ein theoretisches Abbild der Situation über, wo nicht immer alle Einzelheiten überprüft werden können, und der Teufel beginnt im Detail sein Unwesen zu treiben.

Jeweils mit feiner Turnüre der Allüre begegnen. Aus der sehr ausfälligen Verhaltensweise, wo eine Klette in Verlegenheit gebracht wird, hat der Lernzirkel MALTA seine Lehren gezogen. Die andere, vorbeugende Sicht der Nancy Turval muss kritisch sein. Die auffällige Verallgemeinerung kann lediglich zur Trivialität führen.

Zum wievielten Mal war der erste Schritt verhallt, ohne einen einzigen Wechsel, jedoch dort, wo sich die eigene Verwicklung in Widersprüche auflöste, war unwiederbringlich der Boden für ein Aufleben vorbereitet. Somit war von der Turval nicht viel zu erwarten, wenn es um einzelne Schritte ging, die umwerfen, auf der Strecke lassen und die Gefühle aufwühlen. „Jeder stirbt für sich allein“. Da musste sich die Klette ans Klavier setzen und das Lied einstudieren, denn es hatte trotz zu harter Ausfälligkeit niemand anstößig gefunden, dass eine Antwort gefunden wurde. Hiermit wird ein neues Bewusstsein geboren, womit ein „anderes“ Gedächtnis zur Speicherebene zugeschaltet wird, das zuerst leer (und dann kam diese Leere) vorgefunden wird.

Klette hatte an der Schwelle gestanden und die Leere gespürt, mit der er auf einmal umgeben war.

„War das ein Missgeschick?“ fragte er sich.

Eher war es ein Aussterben, denn es gab keine Anzeichen für neue Angst und Erniedrigung. Die umgestoßenen Prinzipien für die Handlungsregulation zeigten eine auffällig schnelle Reaktion in dem Fall, wenn diese sich wiederbeleben sollten. Dazu waren sie so exakt aufgelöst worden, dass der Überfall zähflüssig wie eine Lawine zu beobachten war.

Nancy hatte dieses Missgeschick auf ihre eigene Weise ausgenutzt. Sie war mit dem Wandel einverstanden und jedem scharfen Einwurf bei der Abrechnung mit der Vergangenheit wurde eine persönliche Note verliehen. Sie ging das eigentlich nichts weiter an.

Die sich spontan einstellende Abwandlung des emotionalen Zustands führt zur Selbstsucht (wie ein Wort fallengelassen werden kann und Nikotin durch die blitzschnelle Beeinflussung des Gehirns süchtig macht), was die persönliche Angelegenheit eines jeden selbst sein muss.

Kapitel 2       DITO ANULARE

Die Turval hat kaum mehr Sinn für Auswege, die in der Natur des menschlichen Aufbegehrens begründet sind. Vor allem dann nicht, wenn sie über ihre Probleme alles vergisst, was noch immer nicht ausdiskutiert werden konnte. Das sieht dann wie eine Verzweiflungstat aus, ohne richtige Einstimmung. Wie viel Zeit wird noch vergehen, ehe sich der Aufwand lohnen wird, der zu einem Antrieb wird, zu einer Zusammenführung oder besser Verschmelzung aller der Kräfte, die sich nicht mehr einzeln analysieren lassen, sondern in der Gesamtheit einen so eigenartigen Reiz ausüben, dass sich keine Zweifel bezüglich der persönlichen, ganz zur Turval gehörenden Energie, ergeben können. Nancy wollte nicht mehr, dass eine blendende Absichtserklärung, wie zum Beispiel: „Ich weiß, wie viel Kraft aufgewendet werden muss, um dieses Problem zu lösen“, vorangestellt wird. Sie hatte sich vorgenommen, erst einmal aus der vollen Anklage, einem Bittgesuch die Einigung zu erzielen, um alle Eventualität auszuschließen.

Die Turval hat den Moment durchlebt, wo völlig der Boden unter den Füßen verloren wurde. Es trug sich mit, gerade mit dem Bilwiss zu, der auf einmal ihr völlig hilflos gegenüberstand. Die einzige Aufgabe war die Ausweglosigkeit. Um das unpraktische Verständnis so zu bereichern, dass später ein Zugang bewusst wird. Erst hat Bilwiss völlig indifferent in der Überzeugung gelebt, dass es zu keinen Problemen kommen kann. Sobald einmal diese Indifferenz durchbrochen wird, erscheint es so, als ob die Grenze für das Risiko hinausgeschoben wurde, und dieses Risikogefühl wird sich so zuspitzen, dass eine große Zahl von Problemen in eine andere Kategorie übergehen musste.

Eine Situation, die nicht vergessen werden kann, bleibt im Gefühl, wird nicht ständig in Erinnerung behalten, aber im notwendigen Moment kommt ein Impuls zustande, der oft die Rettung darstellt.

Nancy Turval hatte ein besonderes Talent abzuwarten, bis sich die Beweggründe in der vollen Tragweite auswirkten. Es war eine Art zugespitzter weiblicher Intuition, die sich in Worte fassen ließ, aber nicht ausgesprochen wurde. Sie nahm dabei an, dass jedes Mal, wenn sich eine bodenlose Frechheit in anspruchsvoller Weise personifiziert, der Moment für ein Einschreiten gekommen ist.

Sobald eine überschwängliche Auflage als Herausforderung an den Kreis gleichgestellter Kletten eine unerträgliche Atmosphäre schaffte, ist Nancy sofort bereit, die Situation aufzuklären.

Nancy führt als Argument an: „Sie, eine Klette, wird sich nicht entschuldigen“.

Denn es gibt keine tieferen Gefühle, als es das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit hervorruft. In dieser Beziehung kostet es allen Menschen die gleiche Überwindung, und wer wird so erzogen, dass er sich selbst verleugnet?

Nancy kannte diese Art von Selbstsicherheit an ihm nicht. Sie hatte bisher Wünsche und Argumente aufleben lassen, so wie sie es für richtig hielt. Jetzt war jemand da, den man fragen konnte. Nicht nur dann, wenn Klette unbestritten Ahnung hatte, sondern auch dann, wenn eine Unterstützung gebraucht wurde.

Warum sollte sie es nicht ausnutzen? Etwas war schon nötig, bevor es zum Aufleben von Wünschen kommt. Und diese Selbstsicherheit konnte sie jetzt körperlich spüren.

Somit war die Zeit gekommen, wo jeder Rückfall sich vermeiden lassen würde. Klette schien nur darauf zu warten, womit sich ein lohnendes Ziel aus dem anderen ergäbe, eine ursächlich von Klette erkannte Folgeerscheinung des nie verlassenen und des mit Bestrebungen konfrontierten Kreises um N. Turval.

Auch die Bestrebungen waren zu erkennen. Dazu war einiges Umdenken nötig gewesen, aber schon mit der Suche nach adäquatem Verlangen abgeschlossen.

Nancy sah diesen Rückfall als Überraschungsmoment, wenn nicht der gründlichen Überlegung aller denkbaren Partner nachgegeben wurde. Das war die Aufgabe des Kreises, der entweder erweitert oder eingegrenzt werden musste.

Sie fragte sich, ob etwas aus Klettens, zu vertrauter Sorge um sie wird.

Es gab eine große Hoffnung, die sich aus der Liebe zur Welt der frühen Kulturen mit der Romantik der alles verklärenden Zeit bildet. Diese offensichtliche Liebe war neuerdings auf eine innere Motivation begrenzt, weil es eigentlich keinen etwas anging. Es sollte lediglich ein besserer Zugang zum allgemein schon sprichwörtlich gewordenen Ethos gesichert werden. Es war also möglich, den fehlgeleiteten (bei Goethe lautete es: „betrogen“) Kräften eine neue Richtung zu geben, was meist als Verlust empfunden wird. Die überzeugende Empfindung eines Verlusts, sobald die Erkenntnis unter die Haut geht, hat allein dafür zu sorgen, dass der Prozess des Umdenkens vorangetrieben wird. Es bleiben die Ängste, die mit jedem Verlust verbunden sind, und Nancy stellte sich diesem Aufbegehren bewusst, indem sie Klette zu verstehen versuchte. Er wollte sie um sich haben, ihre Erlebniswelt auf die Probe stellen, denn es war nur der Beweis notwendig, dass es ein Verständnis geben wird. Somit wäre es falsch anzunehmen, dass schon allein aus der Zweisamkeit eine echte Erhärtung von Überzeugungen folgt. Erst der spürbare Verlust und das Aufbegehren bringen eine Annäherung, solange eine Absage auf den Gedanken bringen kann, dass eine Zukunft vorhanden ist. In dieser Weise begünstigte Absichten müssen einen größeren Reiz ausüben. Auf wen? Wenn nicht auf Nancy, kann sie doch ahnen, dass es an ihrer Stelle nicht jeder auf sich nehmen würde, so bedingungslose Hingabe (an die Klette) zu zeigen.

Welche Frau wird nicht mit eigenen Einsichten konfrontiert, die früher geschaffene Realien wegdiskutieren lassen, denen eine viel stärkere aber eben eine zurückliegende Wirkung nicht abgesprochen werden kann. Solche Einsichten bewirkten mehr und mehr, dass sie für sich eine eigene Wahrheit schaffen wird. Nancy wusste, dass sie allein ein Ziel verfolgen wird, alle anderen werden sich nach ihr richten müssen, was keinesfalls auffallen wird. Sie wird keinen Ton von sich geben, aber immer im Mittelpunkt stehen. An ihr konnte man sehen, dass es nur einen Mittelpunkt geben kann. In diesem Augenblick gibt es nur ein störendes Anzeichen und das ist die Anwartschaft. Klette wollte im Mittelpunkt stehen. Das ging nicht, denn bei einer jeden bezweifelten Einzelheit musste zur überkommenden Unruhe eine Ursache gefunden werden. Das passierte so plötzlich, dass die Ursache selbst zu Bewusstsein kam, nicht mehr nur die lästige Frage, wie nun eigentlich reagiert werden müsste. Als ob die Ursache nicht mehr im persönlichen, mit Klette verwachsenen Ego begründet und damit hinzunehmen war, sondern als Zweifel an der eigenen Fähigkeit anstieg, der nicht zugelassen werden durfte.

Verblüffend war, dass es sich beim Anzweifeln um eine als himmlische Gabe bisher unerreichbar entfernter Fähigkeit empfundene Bereicherung der Gefühlswelt handelte. So war alles zu bezweifeln, was nur einen Ausweg offen ließ. Es wurde eine immer stärkere Bestätigung dessen notwendig, was zum Tabu erklärt werden konnte. Nur ein stärkeres Bezweifeln war notwendig, um die fremde Gewalt zu brechen.

Sollte es überhaupt zu solchen Fällen kommen, wo eine erkannte Zwangslage bis zum Bewusstsein vordringt, da so ein Vorteil entstehen kann? Wo fallen hier Hemmnisse weg, die bisher so konkret wirkten?

Wer war so gut und beantwortet diese Fragen?

„Manchmal muss ich an eurem Verstand zweifeln“, so dachte nicht nur Klette sondern eine ganze Generation. Bisher war noch nicht der Eindruck einer verlorenen Generation entstanden, aber der unhaltbare Zusammenbruch einer Ideologie war so offensichtlich geworden, damit musste fertig geworden werden.

Einfachste Fragen führen zu einer heilsamen Anfeindung der von allen Seiten hervorbrechenden Kritik, mit der es nie zu einer Gesinnung kommen kann. Wer hat da gesagt, dass Klette „auf dem falschen Dampfer“ ist? Sollte das der volle Ernst gewesen sein? Wurde dort ein Fehler gesehen, der vom Schicksal allein verziehen werden konnte? Das sind die Anderen, zu denen wir dann gehören, wenn es eine einigende Auflehnung geben kann. Aber nicht die Fehler beim Partner suchen, bei seinem vielleicht unverständlichen und nicht im fremden Blickwinkel folgerichtigen Anmelden von eigenen Vorstellungen. Aus der eigenen Bevorteilung keine Mördergrube machen und für jeden im einzelnen vorstellbaren Schritt eine Zuneigung empfinden. Sich aneinander binden können, ohne sich abzustimmen, d. h. ohne ein Geschäft anzustreben. Ohne den Erfolg mit Geschäften zu erreichen, so wird jeder glücklich werden können. Was sind dagegen Geschäfte, die den gegenseitigen Vorteil garantieren? Scheinbar ein Mythos.

Vor einer absichtlich ungewohnten Auswahl stehend, gehen die Gedanken nicht mehr an den Realitäten vorbei. Die Erfolgsklassik bringt die Wiederholung, wo jedem sein Platz zugeordnet wird.

Einer hat nicht nur zur rechten Zeit eingegriffen, denn es dauert wenigstens so lange, bis alle Auswege abgeschnitten sind, die Falle sich auftut und sicher keine Möglichkeit zum Ausweichen, Beschönigen und Vergessen mehr besteht, sondern andere gesehen, die sich so geschickt in die verbaute Situation fügen, dass es fast so scheint, als ob es gewollt war. Aber letztlich kommt das Unvermögen ans Tageslicht, wo eine Entscheidung fallen sollte aber diese leider ausbleibt. Es bleibt ein verhaltenes Zögern, die Unschlüssigkeit des verletzten und solange nicht geforderten Bestrebens nach eigener Entäußerung.

„Hast Dummheiten nur im Kopf“, war die richtige Antwort auf alle Vorstöße. Wer nur von der Bestätigung der Lust zum Leben ausgeht und nichts dazu tut, sie real in anderen Seelen zu verstärken, wird sich aus der Bahn geworfen fühlen. Es wird nie mehr der Anschluss gefunden, der Grund für das Gefühl einer Entwicklung werden sollte, aber beim Ausbleiben wegfegt, was von der eigenen Natur so stark in der zeitlosen Wirkung menschlicher Bedürfnisse ausbedungen wurde.  Dem gehen die wundervollen Zugeständnisse, die das Leben bereithält, in einer unverständlich bereitwilligen Art verloren, üblicherweise in dem Moment zu beobachten, wenn eine Reaktion erwartet wird.

Nancy war niemals so in Verlegenheit zu bringen gewesen und sie konnte es sich auch nicht vorstellen, geschweige denn akzeptieren, dass es an Traute fehlte, gerade wenn es darauf ankam. Absichtlich wurde nicht nachgegeben, solange es darauf ankam. Damit hatte sie in der Tiefe der Umgangsformen eine aktivierende „Sprungfeder“, die ansprechen musste, wenn mit dem Gewissen ungerecht verfahren wird. In der Annahme, auch bei Klette eine ähnliche Reaktion vorzufinden, kam sie ans Telefon.

„Nancy?“, fragte Klette am Anfang ihrer später länger währenden Absprachen.

„Na ja, und?“, war ihre Antwort.

„Ist was?“, kam die erste Frage wieder.

„Wie du willst, aber sage nicht, dass ich den Hörer aufgelegt habe, weil ich in Eile war“, so hörte er zum ersten Mal ihre Stimme, wo nichts auf ihre Stimmung schließen ließ. „Das ist nicht wahr.“

Es war keine Unehrlichkeit, der auf den Grund gegangen wurde, sondern die innerste Stimme, die davon sprach, dass es sich nicht lohnte, sollte die ursprüngliche Offenheit verschleiern helfen. Und der Effekt war immer eine Absage. Es kam dann die Enttäuschung. Eigentlich die ehrlichste Geste, die man sich denken kann. In fehlenden Erklärungen für ähnliche Reaktionen „liegt die Würze“. Werden hierfür Worte gesucht, beginnt die harte Konfrontation mit allen möglichen Vermutungen wie: „Ich bin Schuld“ oder „Ich habe sie enttäuscht“. In letzterem Fall haben sich Nancys Auffassungen von Scherz und Verlegenheit nicht mehr halten können. Mit einer engen Beziehung  zur unbescholtenen Fürsprache, die jeder Kunst innewohnt.

Nancy, so sagte sie sich,  muss aufpassen, denn jeder ungeschickte Versuch, einen Fimmel loszuwerden, wird mir nicht leicht fallen. Ich muss mich durchbringen. Ich sehe, wie unauffällig Freunde gewonnen werden und wie schnell auf stark wirkende Argumente eine Antwort bereit ist. Die Zeit muss kommen und leicht springt ein Funke in ein vorbereitetes empfindsames Wesen über. Ich würde vorsichtig sein, besonders dann, wenn es um einer plötzlichen Eingebung willen bis in den reiferen … Wanderjahren unter die Haut geht und Erfolg bringen kann. Haben mir auch alle Scherze dieses Erlebnis vorenthalten, ist es nie soweit ernst geworden, wo eben solche wie Klette aufhören würden. Er ist dabei der einzige in meinem Kreis, der aufpassen muss, nicht zu nahe beim „Stab“ anzutreten.

Eigentlich kann es mir nicht egal sein, soviel traue ich mir noch zu. An einer ausreichenden warnenden Durchsicht fehlt es nicht, dazu ist alles viel zu getreu und ehrlich nachgebildet. Eben erst, wenn ich diesen verdammten und unverhofften „Umschmissen“ zuvorkommen könnte.

„Erinnere mich bitte an das erste Telefongespräch“, so lautet mein Stoßgebet, an wen weiß der Himmel. Ob er verstanden hatte, dass es einen Rest von Verehrung verlangt, als erster den emotionalen Spannungsüberschuss aufzufangen?

Voll mit eigenem hochkarätigen Brillieren beschäftigt, gab es keinen Platz für mehr zufälliges Einleben, wo viel von adäquatem Reagieren abhing. Ich kann ja nicht immer zurücktreten, deshalb muss der Widerstand auf eine Art und Weise gebrochen werden, dass es so liebevoll wie immer weitergeht.

„Wann sehen wir uns auf dem Hügel?“, so fragte ich ganz nebenbei. Klette wollte wetten, dass er sich verhört hatte und wieder gab es eine zu lange Pause.

„Vielleicht später, wenn der Mond aufgegangen ist?“, so sollte es unverbindlich klingen.

„Was machen wir so spät?“, wollte ich ihn festnageln.

„Wenn es für dich keine Probleme bringt, gehen wir noch zum „Disputanten“ ¢rüber“, gab er eine ganz befriedigende Antwort.

Wir hatten so begierig zugesagt, dabei wollte ich nicht ohne Ziel einfach drauflosgehen. Er wird abgestoßen, wenn er sich bis in die Seele verletzt fühlt. Je exakter aufgenommen werden kann, was für eine Geschichte sich daraus entwickeln kann, desto besser.

Ich saß ihm dann gegenüber, und nur ein Verlangen lenkte mich von meinem Gegenüber ab. Zu lange hatte ich gerätselt, wer beginnen würde in den anderen einzudringen. Er hatte es wohl bemerkt, aber er ließ sich Zeit. Der eigenen Aufsässigkeit nicht gewachsen, hatte die weitere Beweisführung kaum einen Sinn.

„Liegt dir so viel daran, auf deine nicht eben leichte Art ins Abseits zu steuern?“, hörte sie sich mit Nachdruck fragen.

Über mich hat sich noch keiner Gedanken gemacht, du bist wohl die erste … Das war alles, was er zur Einschätzung der Situation vorbringen konnte. Dabei wusste ich, dass schon lange alles entschieden ist. Allein für sich machte er einen Schlussstrich. Er schien in seiner abfälligen Aussichtslosigkeit nur schwer angreifbar zu sein.

Ich, Nancy Turval, habe mich nie als Vollstrecker angesehen, eher als Fürsprecher. Das ist weniger verbindlich. So viel verstehe ich von den Problemen, die andere haben können. Wer sich selbst in seine Rolle hineinfindet und zu ungeschickt ist, um das eingefangene Glück an der Seite hegen und pflegen zu können, wo das Herz seinen Platz gefunden hat, hat es noch vor sich. Wen das Verlangen nicht verlässt, den findet auch das Glück.

Allzu offensichtlich waren die Veränderungen, die durch das Interesse an meiner Person zu beobachten waren. Es ging um den täglichen Weg zum Altar, der nicht zu lang wurde, weil er zu einem Lebensweg werden sollte. Woher kam diese Wissbegier, die ihn so zu fesseln schien, dass die kleinste Luftbewegung, von ihm bemerkt, zu einem Ereignis zu werden schien? Niemand wurde mit dieser, stets einen Ausweg oder eine Entschuldigung suchenden Freude fertig, wenn auch manchmal logische Überlegungen im Spiel waren.

Je besser kleine Nebensächlichkeiten im Länge und Dauerhaftigkeit anzeigenden Eindruck hinterlassen werden, desto schneller folgen richtige einlenkende Lustgefühle. Diese werden dann verhängnisvoll, wenn ungerecht verfahren wird, was später bereut wird.

Liegt es an mir, dass etwas zu steter Aufmerksamkeit anregt und ein mitgenommener Charakter aus allen Antworten hervorlugt? Die nicht zu unterschätzende Fähigkeit, auf eigene Kraft zu vertrauen, hat eben auch einen großen Vorteil, denn es wird nie zu zu viel Selbstsucht wegen weitgehender Verwirrung kommen können. Wird hier der gefährliche Lebenswandel wahrgenommen, muss auch erkannt werden, wann die Gefahr vorbei ist und gegen den Strom geschwommen werden kann.

Womit könnte Nancy Turval zeigen, dass es sich um eine einfache Wahrheit handelt, mit der auch Klette konfrontiert ist? Solange darüber gesprochen wird, erscheinen Illusionen unangebracht und unterlaufen Fehler nicht im unbeschreiblich aufgeklärten Eigensinn. Das Gespräch kann erst aufgenommen werden, wenn keine Schranken aufgebaut werden, Illusionen verkraftet werden und Fehler zur Sprache kommen. In einer vertrauten Aussichtslosigkeit wird der Kontakt gesucht, wird ein zuverlässiger Partner gefunden, ansonsten bestärkt sich lediglich die Hoffnung, dass es  irgendwie ausreichend viel Aussicht gibt.

Gibt es keine Aussicht, ändert sich der Aufgabenbereich gänzlich. Eigentlich wird es jetzt darauf ankommen, welche Initiative entwickelt wird. Jedes Zurück ist mit schmerzlicher Einsicht des unweigerlich verlorenen Prestiges verbunden. Das Auf und Ab ist meist unangenehm – keine besondere Freude bereitende aber notwendige Phase. Wo sich eine verlässliche Aussage treffen lässt, beginnt das Rätseln unter den Kundigen. Vorher ist es sicher unangebracht Entschiedenheit zu beweisen.

Nancy wollte etwas sagen, so konnte sie die gehobene Stimmung im „Disputanten“ leichter aufnehmen:

„Wo ist deine frühere Überzeugung, dass eigentlich vor deinem Einschreiten keine Kommentare abgegeben werden brauchen?“

„In jeder Hinsicht hast du nicht den Kern der Sache getroffen. Ich fühle mich nicht als die letzte Instanz. Wo denkst du hin. Es gibt in jeder Entwicklung Umkehrpunkte. Nimm zum Beispiel die Liebe. Sie hat große Ähnlichkeit mit einer Wettervorhersage. Keine überhöhte Forderung wie: Im Sommer in den Urlaub. Das erste Mal. Da sollte es schönes Wetter geben. Na und dann wird lediglich kritisiert. Da und dort hat es gemangelt, denn es sollte nicht regnen. Es hat aber sogar geschneit. Wer gibt die Garantie, dass es diesmal stimmt? In diesem Sommer. Also lassen wir uns überraschen. Würde jemand wissen, dass der Sommer kalt und regnerisch wird, könnte er damit kaum überzeugen. Aber wenn es eintritt und das Dilemma beginnt, ist er derjenige, der alles schon gewusst hat, und hätte er es früher gesagt, hätten wir uns mit dem Urlaub noch etwas überlegt.“

Er spricht von sich selbst, so waren diejenigen von der eigenen Rede beeindruckt, die sich nie auf Fakten sondern auf Deutungen stützt. Dennoch war weniger Befangenheit zu spüren als früher. Aus der Tiefgründigkeit, zu der sich echter Anstand mit gelassener Selbstlosigkeit gesellte, ließ sich erkennen, dass es ihm darum ging, Gewissheit zu erlangen, womit fundierte Argumente ganz entscheidende Bedeutung für die Überlegungen erhielten.

Es schien überhaupt nur noch auf diesen festgefahrenen Beweis der Rechtmäßigkeit eigener und folgerichtiger Deutung des Geschehens hinauszulaufen. Es war also notwendig, mit der ihm eigenen Härte fortlaufend aufzulösen, womit er sich sein ganzes Leben beschäftigt hat. Demnach musste er ständig bestätigen können, dass sich alle Absichten auf einen Nenner bringen lassen. Nun müssen sie sich auch soweit zusammenkürzen lassen, dass aus der Vielzahl der erstrebten Einsichten über und unter dem Strich eine kleine Größe herauskommt.

Aus eigener Bestrebung zur Entwicklung der realen Anlagen gingen alle Bezüge zur Vernunft verloren. Um aus all dem mit sicherer Hand auswählen zu können, hatte er in einem wahren Puzzle gesessen. Es war so, dass ich nicht hoffen konnte, dass Klette an meinen Lippen hing, wenn ich überzeugt war, dass es sich um einen wichtigen Denkfehler handelte. Er war sich nicht im Klaren, wo eine Absage von vornherein zulässig scheint und wo erst zu überlegen ist, ob es bedrückt, wen es auch betreffen sollte. Einerseits war eine prompte Antwort nur als ausweichende unverfänglich. Wer will sich schon von irrigen Annahmen überraschen lassen und sich so festlegen? Aber andererseits gab es Grund zur Zurückhaltung, von neuen Situationen angefangen bis zum verzweifelten Suchen eines Auswegs. Damit wurde nur der fertig, der schon abgeklärt war.

Für Nancy waren die dringenden und unangenehmen, d. h. unter die Haut gehenden Ausbrüche in emotionaler Hinsicht schnell zu erkennen und keinesfalls mehr bestimmend, wenn einem Lösungsweg zugestrebt werden sollte.

Ohne Abstriche wurde diese Haltung von Klette anerkannt und mehr noch ausgenutzt. Es war immer tröstlich, von einer starken Stütze ausgehen zu können. Aber was soll´s, wenn es zu nichts Gescheitem führt? Erst später wird die Misere in den einzelnen Erscheinungsformen durchdacht werden müssen. Wobei meist herauskommt, dass das Mühen sich lohnt. Aber darüber hinaus muss eine höhere Berufung vorhanden sein, die sich meist nicht hervorzaubern lässt.

Oder irre ich mich? Wer findet mehr an einer Frau als er? Engelsgleiches Lächeln ist die Antwort auf jede Regung, die ich nicht zu verbergen verstand. Wie sollte ich es auch fertig bringen, wenn es niemandem gelang hinter die Kulissen zu schauen, wo sich austrug, was tagtäglich überfallartig einsetzend in die Länge gezogen werden konnte. Er hat nie versucht anders damit fertig zu werden als nichts anzutasten, was er über sich ergehen lassen wollte. Solange, bis sich jemand für ihn einsetzte, der es nicht mehr mit ansehen konnte. Soviel, wie sich dadurch ansammeln konnte, hat eine Schwerfälligkeit hervorgebracht, mit der scheinbar nie mehr freudige Kontakte gesucht werden können. Von Natur aus mitgegebene Schwäche hatte zu einer derart negativen Folge noch die Lust gesellt, nichts als Gegenleistung zu zeigen.

Gegen eine solche Undankbarkeit war nur der heiße Wunsch nach Zuneigung aufgelebt, womit der einfältigste Ausweg gesehen wurde. Aber wenn es nicht ein Ausweg war, ist es das schönste Gefühl gewesen, was erlebt werden konnte. Wie Aquino feststellte, ist Böses nicht vom Willen beeinflusst. Also ein indirekter Beweis dafür, dass aus dem illusorischen Wunsch als höchster Willensäußerung eine verzweifelte und übermenschliche Anstrengung werden kann.

An solchen Gedanken, die nur mit der Lob zusagenden und reinen beglückenden Versicherung von Gegenseitigkeit kommen, hing Nancy. Die einzigartig auflebende und bestechende Einbeziehung wird zur oberflächlichen Alltäglichkeit, wenn auf längere Sicht ausgerichtete Bestrebungen aufgehen sollen. Dazu müssen leichte Kontrollen in Hinsicht auf ein ´ruhiges Erkenntnislicht´ vorliegen. Das ist eine faire Rückblende, wo die Fakten auftauchen, die unglaublich erscheinen müssen. Erst im neuen Verständnis wird eine beglückende Belebung verspürt, die bis zu herzhaftem Lachen über durchstandene Ängste geht. In solcher Selbstlosigkeit bereichert sich der Mensch.

Auf einmal war es um die Ruhe wieder schlecht bestellt. Vor dem großen Anlauf muss auch ein Eingriff gelingen. Je härter der Eingriff, desto eher würde Nancy Turval vor Aufregung sich umschauen, um eine Barriere aufbauen zu können. Alle eventuellen Opfer, die bevorstehen, werden erst dann zur Realität, wenn es den inneren Prozess der Zerrissenheit wie bei einem Vulkanausbruch herausschleudert. Dann läuft sich die Suche von Konflikten tot. Erst das Gefühl für das Vertretbare, das sich aus der abwechslungsreichen und schnell verpuffenden Aggressivität herausstellt, lässt plötzlich den Streit abflauen, bis das Böse isoliert scheint, hinter einer neu aufgebauten Aktivität werden die Schotten dicht gemacht. Nancy sah in dieser vorgespielten Demonstration männlicher Kraft das eigentliche Ziel, sie nicht vor der schlimmen Erkenntnis zu bewahren, obwohl sie das gerade vielleicht nicht einsehen wollte. Sie musste es einsehen, wenn er es eingesehen hat, daran lag ihm sehr viel. Aber hatte er nicht noch eine Chance, wenn er all die Bahn brechenden Segnungen, die sich in seiner Vorstellung so nützlich machen könnten, mit Bedacht und absichtlich als eine persönliche Sache auffassen würde, die keinen etwas angeht! Nancy würde dahinter kommen und mit der Fragerei nicht locker lassen, bis es herausgekommen ist, dass mehr noch in Klette stecken kann, wenn es auch ein Geheimnis bleiben wird, wie den einfach sagenhaften Umständen entsprechend zugegriffen werden muss.

Will er mit seiner ungemein treffsicheren Einschätzung Anteilnahme finden, weil es ihn selbst innerlich stark berührt, kann er sein Geheimnis nicht hüten? Nancy hat wohl einige Fakten parat, wo sie auf den Grund der Dinge vordringen konnte. Es bleibt nie verborgen, wenn eine liebevolle Zuwendung zu lange gehegten Traumvorstellungen plötzlich praktisches Umdenken bringt. Aber je stärker von dieser Haltung zurückgetreten wird, desto öfter wird die Entfremdung offensichtlich gemacht.

Ist es nun nicht Gefühlsbildung, wenn der Reifeprozess für jedes Auftauen der verbitterten Nachsicht mit ungereimten Ausfällen von beknackten Partnern geleitet werden kann? Gibt es denn keine Grenzen für das, was in den inneren Gefilden der gelösten Aktivität kontrolliert werden kann? Die Turval sah, wie zusehends sein Leben in den Bann zog. Da war eine Überwindung zu impulsiver Absteckung von erniedrigender Höhe, von der aus gerechtet wird, wie das beim Barras abgelaufen war. Dazu die Konfrontation mit seiner unverzeihlichen Härte der Technik, diese (materialistische) Erziehung vor dem Prüfstand mit 10 000 Volt Spannung. Später kam das Misstrauen in die Zielstellungen.

Jetzt ist der Aufstieg von Wechselfällen mit tragischem Ausgang begleitet und für den Eigensinn der Turval musste es so aussehen, dass ein einziges Objekt verbleiben sollte. Darauf musste sich Klette werfen, alles andere könnte er ihr überlassen.

Legt er es nicht darauf an, kommt ein Auslösen von ungerichteten Handlungen, die nur aus Einsichten in Fakten kommen, die mit der Zeit an Bedeutung gewinnen, wie gesagt Nancys Aufgabenbereich. An kleinen Dingen wird alles gemessen. Aber dazu kommen die Fülle von Eindrücken, Erinnerungen und gefühlsmäßige Reaktionen, was erst auf die Probe gestellt werden kann, wenn möglichst die Pferde nicht durchbrennen. Ein Gefühl sieht sich jeder so an, als wäre es ein Schauspiel. An eigene Gefühle kommt man schwer heran, es gelingt aber trotzdem, was sich an der unverhofften Zuneigung zeigt, die später als erwartet erwidert wird, sollten sich Umstände und Erinnerungen einstellen, die früher nicht vorhanden waren.

Aus der latenten Erwartung überkommt ein Sturm von paradoxen Beweggründen und es wird noch lange dauern, ehe hier ein starker, alles verheerender Rappel einsetzt. Im „Vorhof“ dieser einigenden, vielleicht auch fokussierenden Sendbotenidylle entsteht ein starker Glauben, der keinem Hilfe, sondern nur Aufruhr bringt. Davor sich hüten, wollte Nancy lernen, und es gelang ihr.

Es gibt ein ausgefülltes Leben in solchen Regionen, wo einzig der Wille zur Annäherung mit all den Gefahren auflebt. Ist ein fehlerloses Verhalten hierbei kaum möglich, so irrte sich Nancy nicht, wo ihr (höchster) praktischer Wesenszug zu spüren war. Es war erstaunlich, dass sie die Klette nur immer mit der Gleichmütigkeit zu betören verstand, mit der sie von der Richtigkeit ihres Verhaltens überzeugt war. `Ich habe stets die gleichen festen Vorsätze`, das war ihre Einsicht in ein wirres und doch ungetrübtes Dasein. `Irrungen und Wirrungen` können so viel kommen und gehen, wie uns das Leben bereithält. Ich bin in dieser Beziehung nicht darauf angewiesen, etwas zu bezweifeln, was auch sonst über mich gesagt werden sollte!

Hört einfach zu, wenn kluge und selbstbewusste Dinge zur Sprache kommen. Das kann nicht falsch sein und bringt auf jeden Fall weiter.

Wäre noch von mir hinzuzufügen, dass mit einmal erfahrenen Schwierigkeiten nichts so sehr anspornt wie die Bedächtigkeit, mit der einmal unterlaufene Fehler wieder von sich hören lassen. Waren sie streng formuliert, so führen sie zum Verbot und das bedeutet das Einhalten für alle Zeit.

Kapitel 3       LECTORI BENEVOLO

Es war so wichtig, nie in Verlegenheit zu kommen. Da trafen sich der Hang zur Einsilbigkeit und Tiefgründigkeit, um nicht hinter erreichter Ausweitung von Empfindungen und Worten zurückbleiben zu müssen. In der Vollendung einer vorerst nicht zu fassenden aber ungemein wichtigen Sache, die in dem Moment zum Abschluss gebracht werden muss, damit eine auch nur geringe Substantialität erreicht wird, liegt die Stärke einer Unterstützung. Ob diese Muse genannt wird oder Freundschaft, ist unerheblich. Nur die uneingeschränkte Bereitschaft kann so schnell zu Bewusstsein kommen, wo es darauf ankommt, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Immer, wenn dieser Moment gekommen ist, verfranzen sich leicht sich um den heißen Brei drum rum drückende Feiglinge. Niemals solche wie die Turval. Sie legt alles daran, zu verstehen zu geben, dass es sich um ein Privileg handelt, zu entscheiden, was vorgeht. Deshalb sollten die darauf verzichten, sich als letzte Instanz anzusehen, die ihrer Seite gegenüber taub sind.

Die Stärke der anderen Seite ist es, sich richtig zu artikulieren. Schlimm wird es, wenn die Zustimmung der Turval fehlt. Das geht gegen die Ehre, wenn sie sich der bescheidenen Mittel nicht bedient, die so viel besagen. Es bleibt all die eigene Aufrichtigkeit erhalten, wenn ein kleiner Schritt, der kaum von Bedeutung ist aber dennoch spürbar bleibt, zum Entgegenkommen aufreizt.

An anspruchsvollen Zusammenhängen gewachsene Vorstellungen gehen weit zurück. Langfristige Problemstellungen in unerfüllter und immer wieder aufbrechender Sehnsucht hinterlassen tiefe Wunden. Hiermit verbleiben Absichten, die sich erkennen lassen, die in ihrer vorsätzlichen Ausweglosigkeit lachhaft sind, womit ein unkundiger (geistiger) Zwerg nichts anzufangen weiß.

Derartige Feststellungen sind Grund genug, aus einigem Abstand, der unbedingt gewonnen werden muss und grundsätzlich eine verlegene Zurückhaltung, wenn nicht stille Siegesfreude hervorbringt, das Opfer auf´s Korn zu nehmen.

Damit ist die moderne Vorstellung von der höllischen Vorbestimmung umrissen und bringt den Glauben an eine Rettung hervor. Diese Vorstellung setzt sich so durch, dass alles, was den Anschein leidender Unkultur hat, nicht akzeptiert werden kann. Für diese Einschätzung war Klette anfällig und Nancy hatte ihn deswegen nicht weniger ausgelacht als andere Leute in einer ähnlichen Situation, wenn sich Unbemittelte treffen. Nancy hatte sich aufgeschlossen gegenüber allen Vorurteilen zur Einsicht gedrängt, dass es schwer zu überwindende, wo rechtmäßige Unglücksfälle nicht ausgeschlossen sind, aber nicht aussichtslose Fälle gibt. Sie will nicht aus schon erkannter eigener Stärke streiken, sondern sich ein Ziel setzen, rechtmäßig vor den Richter zu treten, sollte nie „zu spät“ sagen. Erst in der Strenge der Züchtigung nach Verleugnung des Fakts, für eine Übertretung selbst eingegangener Regelung verantwortlich zu sein, was früher nicht gefunden werden konnte, nämlich eine Abwendung eines Risikos.

Jetzt liegt es nahe, auf einen schützenden Einspruch zu kommen, was in rechtlichem Zusammenhang Veto bedeutet. Von einem stärkeren geistlichen, d. h. abgrundtiefen Versagen eingeengt, hat ein Zauberwort sie aufgerichtet, das war auf den Kern gerichtet – also aussagekräftig. In meiner Vorstellung wird es nicht leicht gewesen sein, dort eine Grenze zu ziehen, wo es unnütz scheint, einen kleinen Deut nachzugeben, aber selber auf einen Nenner zu kommen, wenn es zu übertriebener Nachlässigkeit führt, wo sich nur schwer bloßzulegende Fakten verarbeiten lassen. Es wird eine seelische Belastung daraus werden, wenn zu leicht genommen wird, was eigene Vorteile abmindern wird. Das Zauberwort ist oftmals Ausdruck des eigenen Vorteils, der genutzt werden kann, wenn gerade günstige Auswege gesucht und gefunden werden können. Nanc, du warst vor allem nicht daran mehr Schuld, dass etwas in die Brüche ging, als Klette, der am Horizont erschien, weil er vom Leben benachteiligt wurde, als er nicht anders konnte, als niemandem zu verzeihen, sich zu rächen, um die Ungerechtigkeit zu finden, besser noch den Unglücklichen, der später in großer Zahl dem Sinn nach identifiziert wurde.

Nanc sagte sich: „Ich bin verloren gewesen. Mit mir war etwas passiert, was nicht verleugnet werden konnte und deshalb so tief in der Seele verborgen bleiben wird.“ Bei jeder Erinnerung wird ein irrsinnig verkürzter Weg in die Vergangenheit gefunden. Dazu hatte eher `ehemaliger Verlobter´ mit leerem Klang geführt als `Tib´, wie er mich nach meinem zweiten Namen nannte. Er fand es unwahrscheinlich romantisch, wie mich die Eltern getauft hatten, nämlich Nancy Isabella. Ich war in diese kleine Zuneigung ebenso verliebt wie in die Tatsache, dass dieser Einmaligkeit aufweisende Gedankengang keine Wiederholung finden wird. Das war ebenso ausgeschlossen wie das fehlende `Amen´ in der Kirche.

Ich konnte mich immer wieder wundern, wie Tib auf ihre eigenen Gewohnheiten sauer werden konnte. Ich hatte nie erst einmal nachdenken müssen, aber Tib hat dann alles etwas abgewogen und die beste Variante gewählt. Ein schnelles und voreiliges Richten, wie: `ich habe es doch anders machen können, aber warum ich wieder so schnell fertig sein wollte, weiß ich nicht´, war für Tib erstens als schwere Entscheidung hinausgezögert worden und dann gänzlich vergessen und zweitens kaum anders als Veto zu verstehen gewesen. Dieses Veto kam von Lukas als Liebeserklärung und brachte mich etwas näher an die glücklichen Stunden heran, die nun für mich anbrechen sollten. Ich konnte nun Luft holen, denn es war jeder Vorstoß von der Überzeugung getragen, dass I C H es richtig machen kann, kann ich Lukas auf meine Seite bringen, damit er sein Veto geltend macht. Dann brauche ich nicht so viel kritisieren (was eigentlich kontrollieren heißen müsste) und es bleibt das Gefühl einer hemmungslosen Hingabe an eigenes Ich-Bewusstsein. Das ist ebenso schön wie erfolgreich und hinterlässt tiefe Spuren im Gedächtnis.

Und nicht nur dort. Ich wagte mich an ein sehr `heißes Eisen´ heran, womit nicht nur Lukas mit mir einer Meinung war: Das Matriarchat ist die Notwendigkeit einer emotionalen Führungsfunktion (das war ein Gedanke, der erstmals im Vergleich mit Wüstenelefanten aufblitzte). Die Aufreihung aller regelnden Exaktheit, die an vorausgehende Systematisierung angehängt wird, hat den Nachteil ungeschickter Verhaltensweisen, mit denen jede `Willenserklärung´ lächerlich werden musste. Hier musste ich Lukas zur Seite stehen, denn einzig eine leichte Aufmunterung brachte ihn weiter. Es musste nicht sein, dass der Nachdruck, mit dem ein Machtwort gesprochen wurde, zur aufreizenden Vermutung und stillen Verdächtigung führte. Eher wird ein ungeahnter Horizont durch diese angenehme Fortsetzung näher gebracht. Diese Weisheit existierte schon, solange sich Buchstaben zu Worten aneinanderreihen, solange bekannt wurde: ex vi termini. (Später schrieb Kant: „… Vernunft besteht in Zergliederung der Begriffe, die wir schon von Gegenständen haben. Diese liefert uns eine Menge von Erkenntnissen, die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklärung oder Erläuterung desjenigen sind, was in unseren Begriffen (wie wohl noch auf verworrene Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen Einsichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie der Materie oder dem Inhalte nach die Begriffe, die wir haben, nicht erweitern, sondern nur aus einander setzen.“) Mit einer solchen Auseinandersetzung spitzen sich Beziehungen soweit zu, dass für ein vorgedachtes Ziel eine härtere Realität geschaffen wird. Damit schwindet der leichtsinnige Verdacht, eine Ähnlichkeit zu sehen, wo lediglich Vorwände für eine Abgrenzung gesucht werden müssen. Denn zur wiederholten Erkennung (und damit Verifizierung) ist für mich ein Ding notwendig, was so gedreht wird, dass es überzeugt, in erster Linie eine größere Gruppe von Leuten. Kann ich nun Lukas für mich diesbezüglich beanspruchen, weil sein Veto eine Vorgeschichte hat, spüre ich allein den Widerspruch, den er ebenso hervorbringt wie auch mir entgegenbringt, damit ich mein Ding drehen kann, wo er nicht dabei ist, aber mir beisteht.

Nie mehr muss ich zurückkehren, weil ich zu schwach bin, den Weg bis zu Ende zu gehen, was mir auch in den Weg gelegt werden sollte.

Oft sind es fast stillschweigende Tiefschläge, sich aus Einstellungsänderung zuspitzende Lebensgefühle, die keiner logischen Abkehr zugänglich sind, mit denen ein jeder herausgefordert wird, der sich an den Problemen messen lassen will. So viel Stellungskrieg kann immer erst verkraftet werden, sollte sich eine Wand zu erkennen geben, aus der kein Stein herausgelöst werden kann. Diese wäre nicht aus einander zusetzen, denn dann fiele ein zu starker Gegensatz weg. Durch diese Wand ist nichts zu sehen und zu hören. Etwas Interesse fällt weg und Langweile breitet sich immer mehr aus.

Seelische Belastung dieser Art ist der reine Umgang, oder Umweg, oder auch die Verführung. Somit ist eine auffallende Trennung meiner Verführung von der verführerischen Wirkung herauszustellen, denn die Wirkung ist zwar da, aber es fehlt eine bleibende Veränderung. Diese ist einfach auszuschließen, wenn sich keine Bindungen übersehen lassen. Das war auch das Urteil in meinem Verhältnis zu Lukas. So wie die Verliebtheit erstmals aufräumte, einen Bezugspunkt für alle inneren Zugeständnisse schaffte, war sie verflogen. Es blieb nichts als die Erinnerung an Tib, für die eine sichere Festlegung aller Varianten durch das Ausschließen Vieler erreichbar wurde, wobei die Ausgeschlossenen nie wieder unbequem werden konnten, weil sie einfach nicht mehr existierten.

Es gibt also massenweise Wege, auf denen sich Leute treffen und die diese auseinanderführen. Aber stets ist das einzigste Ziel so aufgenommen und verewigt worden, dass aus Zuneigung, die irgendwann aufgenommen wurde, etwas im eigenen Charakter umstürzen kann.

Einmal von den offensichtlichen Vorteilen abgesehen wird für mich eine kleine Umstellung von kindlicher Offenheit zur bewussten Öffnung bei solch wesentlichen Zusagen zur schweren Entscheidung erstaunlich leicht gemacht, weil sie an Bedeutung gewinnt und damit leichter zu erkennen und abgrenzbar wird.

Würde sich doch nie der umgekehrte Prozess der Rückkehr zur kindlichen Offenheit einstellen müssen!

Alles liegt an der engen Wortwahl, wenn eigene qualvolle Ausbrüche Gehör finden, gelesen und nachgelesen werden können. Nie ist auch nur die kleinste Änderung im Umfeld einmal erfasster Formulierungen annehmbar, wenn sich Gedanken ins Bewusstsein so tief eingegraben haben, dass sie sich verständlich machen lassen. Aber die Änderungen, die das Leben ausmachen, können nicht anders als alles umzuwerfen, und es bleibt das Gefühl eines großen Verlusts, denn ich sehe ja ein, dass es keine Rückkehr zum verflossenen Urquell gibt. So mit der Zeit gehen zu wollen, das erfordert, soll es nicht zum leichtsinnigen Vergessen führen, ein entsprechendes Verständnis. Vielleicht sogar eine Deutung, womit eine Namensgebung oder Taufe gemeint sein wird. Je nachdem, wie umfangreich die Informationsquelle ist, hat es ausgesprochen keinen Sinn zu verlangen, dass ich alles weiß, was auch keiner verlangt, aber deshalb nicht ausgeschlossen ist. Es finden sich Kenner und dazu nicht wenige, die es mir verzeihen würden, dass ich noch nicht ausgelesen habe, was sich z. B. auf die Bibel beziehen kann.

Kapitel 4    COMMUNI CONSENSU

Ich lebe in der Aufgabe, auf einen rationellen Kern zu stoßen. Sobald es unsäglich viele Eindrücke gibt, die aufgrund weitläufigen Zusammentragens von Fakten eingehandelt werden, verliert Klette das Gefühl für Raum und Zeit. Müsste er aufhören, aus der Literatur zu schöpfen, glaube ich, würde er vor ein Rätsel gestellt werden. Es verliert sich der einzige Abspann, der auf die eigene Existenz bezogen wird und womit etwas zu Ende geführt werden kann. Dabei ist das eigene Erleben so stark in der Kunst widergespiegelt, dass sich die Illusion des teilhabenden Akteurs einstellt. In diese Erlebniswelt vordringend, sind einige Stufen zu durchlaufen, die stets einer Eröffnungsglosse bedürfen.

Mit einer Verbindung von Denken und Fühlen habe ich mir viele Überlegungen gemacht, wovon ich mir viel versprochen habe. Was hat sich Klette dabei gedacht? Das war eine der Fragen, mit denen das Rätselraten losging. Aber ich kam nicht weit und verzichtete bald auf jegliche Nachforschungen. Aber später trat ein Sieger in den Vordergrund, eine reiche Phantasie mit gedachten und absichtlich eingegangenen Verhältnissen. Das hatte unglaubliche Hintergründe und Hindernisse aufgebaut, die, ein sicheres Zeichen für Nebenwirkungen von Gefühlsausbrüchen, nicht mehr zu deuten waren. Also las ich bei den großen Philosophen nach, die auch Jahrtausende mühevoller Denkarbeit zur eigenen Ableitung heranzogen. Mühe deshalb, weil vom Ausnahmefall ausgegangen wird, der also nicht existent ist, weshalb es unbedingt Einwände geben muss, denn es kann nicht offensichtlich sein, wozu der Hinweis so zum Nachdenken anregt.

Als einfachstes Erlebnis, womit Kette mich zuerst fast verrückt machen konnte, hatte er doch selbst keine Ahnung, was es für mich bedeutete, wenn er seine Übersicht über unser Leben bewies und vorgab, dass hier seine Stärke lag, kann ich ein Gespräch mit ihm darlegen.

„Hast du den Einband ausgelegt?“ „Ja?“ „Nein, das kann nicht sein! Wann hast du es denn gemacht? Wie konntest du es so schnell schaffen?“

„Ich bin eben geübt.“

Mit seiner Schnelligkeit und Übung war ich eher vertraut, wenn ein panegyrischer Wortwechsel auf das hinausführte, was seine Absicht war, wo es letztlich um sein Unvermögen ging, wenn er sich herumdrücken wollte und es auch immer wieder schaffte. Das war der erste Ansatz, der den Anschein hatte, dass es sich zwar um alltägliche Dinge handelt, um die sich alles dreht, aber ein Eingriff Folgen haben kann, mit denen ich zu rechnen hatte. Es gibt einen richtigen Quiz, will ich an die schlechten Manieren wie an die Wäsche gehen. Erst ein Vorstoß zeigt, wie ansprechbar und aufgeschlossen Positionen zu regeln sind. Wie im Sog ungewollter Stimmungen halten sich diese in einer zwar korrigierten aber dennoch exakt spürbaren Verbundenheit zur Existenz in sehr praktischer Eingrenzung. Hier liegt die eigentliche Stärke der unumstößlichen Forderung an Klette, der auf sich allein gestellt, in seiner unbegrenzten Verlorenheit in der Literatur ein Leben in Arbeit durchsteht. Erst langsam waren der überschwänglichen Einsicht in die Lebensabsichten genügend eigene schmerzhafte Erinnerungen zugestanden worden. Es wurde weniger, was an Ungerechtigkeit empfunden wurde, die er sich selbst unterstellte, soviel Menschlichkeit fand sich, um Eingang zu finden, ließ sich auch nicht immer absehen, ob es schon zur Sühne ausreichte. Denn es gibt einige Fälle, wo die unbefriedigenden Stützen, die im Leben keinen Halt geben können, sogar erkannt werden können. Da lässt doch er auch für einen Außenstehenden, wie mich, erst einmal Dampf ab. Er wäre in einem fort Zwerg und blieb dabei.

Bevor diese Beschämung aufsteigt, gibt es keine Anzeichen, alles stürzt herein. Überlegungen werden zur Vorbereitung, immer rückwirkende Effekte wiederbeleben, die sich bei der notwendigen Hingabe zur schon geliebten abgedroschenen Phrase komprimierten. Also ist ein Dialog anzustreben, wo es nicht um das Ergebnis geht, das mit Ungläubigkeit solange traktiert werden kann, bis sich Zweifel einstellen, ob immer noch davon gesprochen wird, worum es eigentlich geht oder die engere Wortwahl schon längst aufgegeben wurde, und nur über sich ergehen lassen muss, was kaum zutreffen kann, wird immer noch nicht eingesehen, was Schweigen zu bedeuten hat. Obschon gar nicht inhaltlich zusammenhängende Lösungswege gesucht und gefunden wurden, wird mir überlassen Lücken herauszufinden. Hinter der verletzenden Unsicherheit verbergen sich nicht für gut befundene aber schon immer gewollte Obolusse, bis sich eine Möglichkeit ergibt. Eine Suche war nach solchen Möglichkeiten ununterbrochen im Gang.

An einer nicht zu rüttelnden und unerschütterlichen Reizbarkeit, die mit aller Sicherheit abrechnen könnte, war unverkennbar abzusehen, dass sehr hochgestochene Rückschlüsse zur Gewissheit beitrugen, dass eben eine rechtzeitige Entrücktheit kontrolliert wird. Nicht mehr ein fließender Übergang in einer heilen Welt, sondern nachdrückliche Warnungen zur nicht mehr voreiligen Absage an gemeinsame Vorsichtsmaßnahmen. In der restlosen Hingabe an einen höhergestellten und damit erwachseneren ‚Engel‘ verweben sich Bürden, die einmal auferlegt, zu einer Realisierung führen sollten.

Hatte ich vor, langsam Boden unter den Füßen zu spüren? Worin äußerte sich ein so heftig ablaufender und ungestümer Durchbruch lange vergessener weil mittelalterlicher Regungen. Nicht alles darf ich zeigen und längst sind die heftigsten Ausbrüche vergessen, denn ich lasse mich nicht gehen. An sich war es nur die schmerzliche Wahrnehmung, die ich nach besten Kräften unter die Schwelle gedrückt habe. Mit der Zeit sind aber wie im Wildwasser neue Schwellen spürbar geworden: Stromschnellen. Erst, wenn eingetaucht wird, wird es gefährlich, so sollte ich daran denken, dass es ein ‚stumbling‘ gibt, d. h. soviel wie zufälliges Aufstöbern. An der unglaublichen Deutlichkeit spürbar, die sich aus jeder wahrhaften Tatsache ergibt und mit der gezeigt werden konnte, dass schon die Verführung ‚ertastet‘ werden kann, wie eine Brandblase nach zu starkem Reiben der Hände. Das höchste der Gefühle darf nicht das denkbare und damit vertretbare oder abzuringende Prinzip umstürzen. Wird ein solches auf den Kopf gestellt, verschieben sich so viele Relationen, dass Depression der einzigste Ausweg für mich war. Ich kann nicht verfolgen, wie viele demütigende Lustbarkeiten in mir ein Aufräumen seelisch überlebt haben. Das Nachvollziehen des Leidenswegs und die Annahme eines Sündenfalls bringt etwas näher, was die Menschheit erfahren musste, bis sie sich durch das Leiden durchkämpfen konnte, das sie sich selbst auf den Leib geschrieben hat, um Trost finden zu können, wenn das Schicksal zuschlägt, ohne eigenes sündhaftes Zutun. Das ist aber nur bei völliger Ausgrenzung jeglicher Zuwendung aufgelebt, wenn reine Absage, meine Absage sich restlos in eine Vision verwandelt, die Kraft ihres biblischen Alters keine Widerrede zuließ. Es muss einer Person, die Anspruch darauf hat, dass sie erhört wird, wie zum Beispiel einem Buchdrucker, nicht leicht fallen, auf einer solchen dennoch zu bestehen. Hat ein Vertrauen, wenn die Hiobsbotschaft nicht auf sich warten lässt, nicht erst den Höhepunkt erreicht, wenn ich mich in deren Lage zurückversetzen kann?

Klette sieht seine Angetraute im Wandel der Zeit und macht es sich schwer, sobald der ehemalige Verlobte ins gemeinsame Kalkül einbezogen wird. Aber mit diesem war es aus und unwillkürlich ist die Zeit zurückgesetzt, an den Anfang der Beziehungen verschoben worden. So viele Anhaltspunkte gibt es nie mehr auf einmal, jetzt aber ist es soweit, und es wäre verfehlt, nicht sofort darauf einzugehen. Letztendlich kommt es nur auf die Angelpunkte an, die darin bestärken können, was darauf hindeutet, worin die Vorbestimmung einst gesehen wurde. Alle die unerklärlichen Belange, mit denen nur das Leben schwer gemacht wird, weil sich niemand anders darum schert, müssen wir durchgehen lassen, in steter Angst, einer Gefahr ausgesetzt zu sein, wenn jemand kommt, der ganz sicher eine Erklärung finden kann (wie für Hiobs Unglück). Diese allzu aufdringliche Besserwisserei ist von Übel, und wo gibt es so was, dass sich auf den ‚Keks‘ geht, wer sich lächelnd unter die Menge mischen kann. Und damit alles aufgibt, was unecht gewesen ist und einzig und allein auf überflüssige Erkenntnis ausgerichtet war. Was bleiben muss, ist ein Zeichen von Oben, dass der Erkenntnis vorangestellt werden muss. Wurde eine solche angenommen, werden Schmierereien abgestempelt, die das ursprüngliche, unverkennbar reine Anliegen in den feindlichen Absichten aufweichen ließen.

Schon in grauer Vorzeit ließ sich das reine Anliegen mit dem Willen vergleichen: Ich will nicht von einer Undiszipliniertheit zur anderen geboxt werden, auch wenn unlängst ein Anspruch auf meinen persönlichen Lebenswandel geltend gemacht wurde. Denn hier unterstellt der Verstand stets feindliche Absichten. Und darin besteht der Widerspruch, der aufgehoben werden soll, wenn sich den feindlichen noch böse Absichten zugesellen, sich diese nicht mit der Reinheit der Abgründe eröffnenden Anliegen vereinbaren lassen. Keine böswillige Abkehr von der verwundeten Welt, die nicht mehr ausheilen wird, aber dennoch Zank und Streit, wo gelassen über sich daraus ergebende Nachteile hinweggesehen werden kann. Vor allem deshalb, weil ich ebenso wie Klette nicht aus meiner Haut heraus kann und mich stets benachteiligt fühlen werden. Setzt man sich darüber hinweg, so wird aus jeder Fliege ein Elefant gemacht. Benjamin Hoff gibt an, dass es sich um das Ergebnis eines natürlichen und ununterbrochenen Prozesses handelt. Durch diesen soll etwas aus dem Nichts hervorgebracht werden. Will man es mit Immanuel Kant a priori einsehen wollen, so „muss man unzählige mal den Weg zurück thun, weil man findet, dass er dahin nicht führt, wo man hinwill.“ Michael Hutter überträgt das Problem auf das Lesen, um „neue Bedeutungen zu erfassen“. Das sei ein „technisches Können, das bei weitem nicht allen Menschen zur Verfügung steht“. Immanuel Kant erläutert in dieser Frage etwas mit „formaler Bedeutung als zur logischen Forderung in Ansehung jeder Erkenntnis (gehörig)“.

Schon diese Denkweise als ganz geläufig einsehen zu können, bringt mich weiter, weil nichts fremd bleiben kann, was menschlich über die Bühne gebracht werden kann. So die Bedeutung hochgespielt werden wird, bleibt auch Zank und Streit nicht auf dem ursprünglichen Mittelmaß stehen. Ein wenig Weisheit werde ich also darauf verwenden müssen, das Mittelmaß abzubauen, womit der Weg zurück gemeint ist. Jede neue Erkenntnis ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Änderung jeglichen Sinns ist erst einzusehen, wenn aus der Höhe der erreichten Möglichkeiten verschiedene Absichten nicht in ein normales Bild einzufügen sind. Das normale Bild setzt sich aus allen Misserfolgen zusammen. Wenn einer drohenden Gefahr begegnet werden muss. Ich meine, dass dieser Fakt mein eigenes frauliches Wesen ausreichend in die Waagschale werfen lässt. Ich will mich keiner Gefahr aussetzen, denn in der Männerwelt muss sich das normale Bild aus allen Erfolgen zusammensetzen, wenn einer drohenden Gefahr Widerstand geleistet werden konnte. Erfolg ist von einer schnellen Reaktion abhängig, die sich erst beim Operieren mit dem a priori ergibt, weil es lediglich um eine Information geht, die ungestört aktiviert werden kann. Alle Hemmungen werden überflüssig, da es keinerlei Eingreifen geben kann, weil die realen Lebensbedingungen erst durch Bewegung, Widerspiegelung der objektiven Realität und Stoffwechsel im weitesten Sinne (bis zur Befruchtung) zur Wirkung kommen. Nun erst weiten sich Blick und Sicht und eine Gefahr bleibt nicht mehr unerkannt. Ohne Leben kann keine Erkenntnis ‚a priori‘ vorstellbar gemacht werden, weshalb, solange das Leben eingeschränkt wird, schöpferische Qualen hervortreten können, solange der Widerstand von diesen nicht gebrochen werden kann, ist mit Erfolg zu rechnen.

Aus dem Vorsatz des aufsteigenden fraulichen ‚a priori‘ überlege ich in der folgenden Weise: Ich muss zur Ausweglosigkeit so strenge Perspektiven finden, dass jede sich verschiebende Linie nicht mehr stimmen kann. Da stimmt doch etwas nicht? E‘ strano. Ich habe in diesem Augenblick aufgegeben, an etwas anderes zu denken. Wo kommen wir denn da hin? Und schließlich bleibt die Verehrung. Mit diesem eingegrenzten Aufwallen haben alle losgesagten Beziehungen keine Chance mehr. Nie wieder! Es gibt nicht mehr als eine aufregende und unter die Haut gehende Aktion. Eine, die das Leben bestätigt und von der ‚contingency‘-Erfahrung ausgeht. Sobald ich dieses negentrop vorstellbare und doch nie empfundene Abschütteln unangenehmer Gedanken in der allgemeinsten Formulierung nachlesen kann (Prediger 8:7), werden unsinnige ‚statements‘ als abwegig aufgenommen.

Ist das ganze Wesen darauf ausgerichtet, sich gegen ungehaltene Fremdeinflüsse fit zu halten, so steigert sich das wohl bis zur weisen frühen Einsicht in unsinnige Bemühungen zu einem ‚Führungsanspruch‘, der keine Unterstützung ist. Nachdem sich nach längst aufgegebener Beanspruchung von Hilfe rücksichtslose Schicksalsschläge aus der nur als nebensächlich empfundenen Lebensaufgabe ableiteten, war ein Traum in Erfüllung gegangen (was leider nicht als positiver Rausch eines leichten Lebens zu verstehen war). Das war der einzigste Traum, der in allen Einzelheiten in Erinnerung geblieben ist: Es war ein Eindringen in die Kirche meiner Vorstellungen, in die Katakomben einer fremden Zivilisation, wo Verbote so streng eingehalten werden, dass sogar ein Blick in ein Buch verwehrt wird, wenn es auf einem Altar liegt. Dieser Traum wird nun so gedeutet, dass einer, der bis zur Sakristei vorgedrungen ist, das ganze Leben nichts getaugt hat. Alles, sogar das Leben selbst ist danebengegangen. Und das war nun in Erfüllung gegangen. Das beste Beispiel war der Ausbruch aus der Ehe, noch bevor der Schritt vor den Altar gewagt worden war. Es lag an der aufbrechenden Unsicherheit, ob nicht viel mehr aus der Möglichkeit gemacht werden kann, die sich nur einmal und dann nie wieder so aufdrängt. Die „Ironie des Schicksals“ bringt die großen Möglichkeiten nie so richtig zum Tragen, sie ergeben sich immer erst aufgrund von Nachteilen, die jedoch niemand auf sich nehmen möchte. Erst die schon benachteiligten Gläubigen, ob sie es nun einsehen, dass sie es schwer haben, oder nicht, legen keinen Wert auf langes Überlegen. Woraus ergibt sich also nun die Fähigkeit um Handeln? Nur aus der Ausweglosigkeit, wobei letztlich immer ein positiver `Handlungsvektor´ für den Erfolg ausschlaggebend ist. Auch in dieser Lebensaufgabe werde ich mich hingeben, wenn es notwendig ist. Was soll all das Gerede von unerreichbarer Schönheit, Größe aus menschlicher Geisteskraft und unmenschlichen Verheerungen, wie auch übermenschlicher Überwindungskraft? Der erste Schritt zur öffentlichen Abweisung oder Anerkennung ist unausweichlich `bahnbrechend´ und besiegelt sehr viele Erwartungen. Eine unglückliche Startbedingung wie frühreife Liebe kann zur Wiederholung von Fehlschlägen (ja muss sogar dazu führen, wie von der katholischen Kirche durchgesetzt) aus starken Gefühlen Anlass geben. Verbleibt nur der stets wirkungsvolle, Schritt für Schritt durchzusetzende Anspruch auf Intimität der Intentionen. Womit auch Unantastbarkeit der Persönlichkeit gemeint ist. Die sich im geregelten `Lifestyle´ befreiende Kraft bedeutet ebenfalls ein Risiko, wenn es nicht so wie früher weitergehen kann, wo überschnelle Entscheidungen auch noch annehmbar waren. Annehmbar aus Angst vor einer Verschlechterung, die nunmehr ausbleiben muss, was Befreiung bedeutet.

In diesem Moment erkenne ich mich wieder als die Tib, wie sie früher beschützt werden wollte und es dennoch nicht über sich brachte, in etwas Ekliges einzuwilligen, als wenn sie so über glühende Kohlen gehen müsste. Oder aber war es ihr wie ein Sport, wo jede Leistung die Enthaltung über sich ergehen lassen muss. Es war ein Gemisch aus beidem, aus Ekel, der bei einer Überbeanspruchung aus dem Innern kommt und so stark werden kann, dass es zum Brechreiz kommt. Bis dahin geht es natürlich nicht, denn dieser Pathologie gehen etliche Warnbelastungen voraus, mit denen ich noch fertig werde, bevor ich mir die Haare ausraufe.

Wenn immer es auf einen zerstörenden Wechsel hinausläuft, bin ich schutzbedürftig. Womit ich Klette kaum beeindrucken konnte. Er war auf sich selbst gestellt, denn seine Einbände waren gefragt und nichts mehr. Jede soziale Ablenkung war lediglich gut genug, ihn in dieser seiner Sache zu bestätigen. Er konnte sich nur selbst bestätigen oder verleugnen.

Das saß ganz tief in ihm drin und seine Distanz brachte so manchen vorbeilaufenden Fremden auf die Palme. Er lebte mit seiner nur dadurch zu verstehenden Anziehungskraft, dass niemand ahnen konnte, was mit ihm los ist, auf, und entstellte das Bild gänzlich. Er konnte es auch nicht erklären und war froh, wenn es zu einer Annäherung kommen konnte, wenn man unbedingt einen Partner brauchte. Es kostete einige angenehme Minuten, konnte er ein Stück weiterkommen und sich orientieren, ob er verständlich in seinen Aussagen war oder nicht.

Die Umwälzungen liefen so zügig ab, dass es zum Partner gespürte Liebe zeitigte und bald wieder einstampfte, und dieser Ablauf wurde so leicht angegriffen, dazu nie wieder losgelassen, weil es einfach anders nicht ging. Und ich war davon ebenso eingefangen worden, hatte es gespürt, und erst nach reiflicher Überlegung wieder abgelegt. Nur von mir aus kann das Gefühl kaum ausreichen. Wie lange muss ich auf eine Reaktion warten, die ausreicht zu zeigen, dass wenigstens etwas zu Bewusstsein gekommen ist.

Vielleicht kommt nur ein selbstbestärkendes: „Damals war es überhaupt erst möglich geworden. Alles weitere lief nach einem Szenarium ab, das eine vermutliche Zuneigung so stark förderte, dass es sofort kein Zurück mehr geben sollte.“

Es war ein frühes Erlebnis zu vermuten, wo Klette aufgegeben hat an den Partner zu glauben, soviel dieser sich auch bemühte, alles Versagen rückgängig zu machen. Und dazu lag schon viel zu viel Erfahrung vor, die ihn darin bestärkte, dass es sich nicht um die Zuneigung handeln kann, die er schon kennengelernt hatte, und selber nicht bewältigte, weil es doch noch an Reife gefehlt hatte.

Kapitel 5    MANU PROPRIA

Habe ich Angst, dass es diese Zuneigung nur in seiner Vorstellung gibt, die nie wieder real werden kann, weil er es nicht fertigbringt, etwas zu vergessen, was ihm auch heute noch einmalig vorkommt?

Diesem Phantom werde ich nicht nachjagen müssen. Für Jeden gab es ein erstes Mal. Je mehr Bestreben aufgebracht werden kann, desto hilfloser wird´s beim ersten Mal zur Auflösung aller Bedenken, die eher noch stärker hervortreten, kommen, was vor allem bei sehr langsamen Entscheidungen vorkommt. In diesem Werdegang zählt nur Verständnis, mit dem die Hilflosigkeit besiegt werden wird. Und auch hier ist ein Prinzip notwendig, und wenn es besser formuliert werden soll, so darf die Enge der Beziehungen nicht in Kleinlichkeit und Unnachgiebigkeit übergehen, damit  größere Chancen bestehen, nicht aus der Rolle fallen zu müssen. Da die aufregende Geißel stets auf hypertrophierte, d. h. auf ständige Suche von Möglichkeiten aufbaut, ist eine so hervorgekehrte Seite des Charakters anfechtbar und verwundbar. Wird ein nicht verblassender Stern zum Drehpunkt der Lebensachse, kann mehr aus den Angeln gehoben werden, als bisher vermutet wurde. Nach meinen Vermutungen hat sich viel abgespielt, wenn eine zu lockere und herablassende Überwindung von Prüfungen mehr und mehr in die Herausforderung von Mitgefühl einmündete. Wievielmal mehr Zuneigung hätte gewonnen werden können, wenn ein tiefes Glücksgefühl so viel Anteilnahme provozieren könnte, dass sogleich „seid umschlungen Millionen“ in den Sinn kommt. Von der erreichbaren und unmittelbaren Nähe eines Glückssterns zeugt also zuerst die Hilflosigkeit als prinzipielle Einstellung bei ungläubigem Herantasten an Gefühle, die nicht beständig sein können. Die Abwehr von einem der situativen (d.h. nicht von sittlichen Normen ausgehenden) ´Seitensprünge`, da die sich im erachteten Rhythmusgefühl als ein Fremdeinfluss bemerkbar machen, der leicht zu lokalisieren ist, beruhigt stark. Mehr Gefühl bringt mehr Bestreben und somit verstärkt sich mein Unbehagen, wenn es auch nicht gezeigt werden sollte. An dieser kleinen Ungelegenheit, wenn alles hervortreten müsste, aber nur voreilige Auswahlserien herauskommen, ist oft genug herumgebastelt worden. Von dieser Oberflächlichkeit bis zur Vertiefung, wird zur Aufgabe äußerlicher Auffälligkeit geschritten, ist das ganze Leben die Rede.

Etwas zur Vertiefung der Gefühle bereit, bin ich aufgewacht und bin morgens desto ungehaltener, je mehr `Aufstand´ gemacht wird. Wer mag so unbeteiligt meine Bewegungen zu verfolgen, und was wird aus all der Erkenntnis, wenn so viel Mut dazu gehört einzusehen, dass diese vor ein Rätsel stellt? Nur wer so viel durchgestanden hat, dass die Gedanken in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Jede Änderung dieser Bahnen führt zu einem schon früher erlebten Abbruch, bevor das eigentlich vermutete Ziel erreicht oder wenigstens identifiziert wird. Und um durchstehen zu können, was das höchste Ziel ist, muss die Verfolgung des Ziels möglich gemacht werden, was einschließt, dass wenigstens noch ein Partner dieses identifizieren kann, aber im Idealfall sollten es alle Menschen können. Durchdrücken hat aber keinen Sinn. Rechtzeitig ist eine verständnisvolle, gerade in Situationen, die der eigenen Einstellung entgegenlaufen, entgegenkommende Entgegennahme von Argumenten als Paradox anzusehen. Und jedes Paradox ist nicht, wie die Schönheit einer überirdischen Harmonie, zur lautstarken Reaktion gedacht, sondern es wird der flehentliche Ruf erhört, um verschont zu bleiben. Weder Rache noch Misstrauen sollten dort aufleben, wo reiner Verdacht einen Ausweg darstellen kann, da nichts von Schuld spricht. Mit diesem Wissen ergibt sich ein Vertrauensverhältnis unter den Leuten, die in einer gehobenen Stellung fungieren, und niemals wird etwas übernommen, wenn es anwidert. Und es wird ausgenommen das Verständnis geschult, dafür ist das Mitgefühl aufgeschlossen hereinzunehmen in den eigenen `Buddelkasten´. In diesem wird keiner Platz finden, außer der vorgestellten Person mit dem eigenen Intimsphärenklang. Diese unschöne Abgrenzung ist immer Anlass zur Einmauerung der eigenen Stellung, die anfechtbar aber unverletzlich sein muss. Das Ordnungssinn bringende Konzentrieren auf die eigene Lebenserfahrung wird halten, was das `Himmeldonnerwetter´ verspricht.

Erst mit erleichtert aufatmender Beteiligung angeblich erzürnter `Götter´ ist eine Berichtigung möglich, mit der die Skepsis absichtlich zu einer nützlichen und nicht abfälligen Lustbarkeit wird. Die fließende Einbeziehung aller Grenzen für die eigene Erkenntnis ist ein Bekenntnis, das positiv wirkt.

Bei übersinnlicher Unterstützung oder Bestürzung unterlasse ich, mich damit jäh bremsend, alles, was zu stärkerer Anhänglichkeit führt. Deshalb können niedrigere Kreaturen wie Pferde nichts anderes tun, als sich ins Zaumzeug zu legen, handelt es sich nicht um Bergpferde. Deshalb liebe ich Pferde und lasse mich auf andere Gedanken kommen: Sie bremsen beim steilen Abstieg, verlassen sich auf eine angeborene, nicht aus der Welt zu schaffende Zielstrebigkeit, die mir nicht unbekannt ist. Damit richtet sich das nicht verletzende Aufgeben bei endgültiger Wahl auf den philosophierenden Ursprung, wobei es kein sicherer Erfolg sein braucht, etwas von vornherein auszuschließen, es sei denn, dennoch einzukalkulierende Reaktionen in meist späterer Folge als ein Anlass für unerhörte Befriedigung anzustreben. Eben weit vorausschauend kann nichts mehr schief gehen. Das ist das `Credo´, sich der aufgezeigten Möglichkeiten besinnend, niemals ein Ende abzusehen. An der östlichen Aussicht mit aufgehender Sonne hat sich eine ganze Philosophie orientiert.

Äußerst wichtig ist es für mich gewesen, dass es unter den Möglichkeiten eine gegeben hat, die bei der Realisierung so aufwändig war, dass die Überwindung von Widerständen etwas mehr hervorbrachte, als sonst zu erwarten gewesen wäre.

Denn erst mit der Überwindung unternimmt der Mensch Versuche zur Wiedererlangung des Vertrauens in die eigene Kraft, oder es dürfen die Widerstände erst gar nicht zugelassen werden, wozu das äußere Erscheinungsbild entsprechend aufgemöbelt werden muss. Denn das Erscheinungsbild beherrscht in der globalen Wirkung einer konzertierten Show die Vorstellungskraft jedes einzelnen Menschen, um von der Einstellung zum Leben mehr übernehmen zu können, und zwar von dem, was Anziehungskraft ausübt. Auch eine durchaus pessimistische Einstellung ist dabei noch kein Grund anzunehmen, das alles als aussichtslose und keine Verwendung findende Modellvorstellung wegzuschieben. Eine übellaunige Reserviertheit ist ein Schritt beim Umdenken, von der andrängenden Menge angestoßen und tief eindringende Blicke mit Verständnis erwidernd, sollte dieses einprägsam genug sein, so dass ich leichter ungeschminkte Wahrheit akzeptieren würde.

Geht diese von einer romantischen Vorstellung vom Partner aus, so ist der bleibenden Erinnerung nichts entgegenzusetzen. Ich weiß dann, woran ich bin. Dennoch braucht eine Erinnerung keine Spur zu hinterlassen. Keiner weiß, wann es wieder zu einer Beantwortung von Gefühlen kommen wird, denn erst an leichten Aufwallungen, sich nicht von der egozentrischen Leere anstecken zu lassen, wird es liegen, welche Sicherheiten eingebaut werden können. Sicher ist nur, wenn gegen anstrengendes Wortgefecht mit innerer Stimme Antworten gefunden werden, die ein vorgreifendes Erahnen ungeahnter Energie zustande bringen lassen.

Aus einer aufgelebten Erinnerung hat schon immer mein Verhältnis eine Rolle gespielt, und dabei wird es sich um eine neue Wertung handeln. Ist eine umsichtige Auswertung mit einer etwas tieferen, sonoren und dabei überzeugend kommentierenden Stimme in Aussicht gestellt, werden mehr und mehr abwegige Unterfangen abgewertet, da es keine Entsprechungen in meiner Erlebniswelt gibt. Erst wenn über wichtige Eindrücke, aus der Nähe betrachtet, eine eigene Meinung gebildet werden konnte, lassen sich auf andere Dinge Wertungen übertragen. Ansonsten kann eine intuitive Wertung verloren gehen, von Alltäglichkeit in keinerlei Beziehung zum Leben gesetzt, wo eine der schweren Folgen einfaches Abschalten aus Angst ist, was nie bewusst wird, wenn eine solche Angst nicht akzeptiert werden kann. Damit ist ein Unvermögen gemeint, was überwunden werden kann, wird eine plötzliche aufbrausende Reaktion in einen Kreis von Leuten weitergegeben, die auf die Barrikaden klettern würden, so dass die einstimmende Menge zu einer gewissen Beruhigung beiträgt. Habe ich nicht genug Anlass, aus der sehr weisen Einsicht in den Regelmodus eines Eigenwertgefühls (aus der Schule geplaudert) über alles das auszusagen und nichts mehr abzutun, was Erinnyen überantwortet werden muss.

Vor der Auslese der nicht mehr verdächtigen Formulierungen, die meine Partner erreichen, ohne unverstanden wieder verworfen zu werden, hat es kein Zurückhalten zu geben, wo sich eher langsames Aufbauen einer Kommunikation  als schnelles Forcieren der Ereignisse bewähren wird. Bei diesen langsamen Entscheidungen werden vielfältige Stimmungswechsel erlebt, so dass es eher scheint, dass es mehr zu vertrauen (kein Unrecht über sich ergehen lassen) als logisch zu analysieren gilt. Wird die Tragweite einer getroffenen Entscheidung mit einer gleichlautenden Absichtserklärung, die so umfangreich wie ein ungeschriebenes Gesetz sein kann, unerkannt bleiben, ist das Erfassen einer Situation einzig vom gegenseitigen Verständnis abhängig. Wenn dieses fehlt, spielt die Psyche oftmals verrückt und es ist die Frage, ob sich eine unwillkürliche Geste nicht als Verfallen in eine Psychose herausstellt.

Eine innere Stimme spricht über eine anerzogene Identifikation mit sich selbst (beziehungsweise mit Gott). So, wie ich mich nach außen gebe, also auch einem zu mir allein gehörenden Erscheinungsbild wird hierdurch zugesprochen. Bei einer entgeisterten Ausdrucksweise, die sich aus einer Loslösung von der materiellen Basis bei richtig einzuschätzender, wie Wut, die  jemand an mir auslassen möchte, in das Geschehen eingreifender überfallartiger Gestik ergibt, wird das Geschehen kontrollierbar, ist das Bedürfnis stark, sich mit einer eigenen Schmähung an einen Menschenkreis zu wenden.

Eine sehr präzise hierauf passende Gelegenheit habe ich genutzt, und was war zu sehen? Ich habe kaum so viel Erleichterung spüren können, als ich einen heftigen Vorstoß unternahm, wie bei einem Schlag auf Schlag bewiesenen Eindringen in die Materie. Nur war Skepsis nicht auszuschließen gewesen. Diese ging soweit, dass eine Falschheit unterstellt wurde, mit der das Territorium anderer Menschen Erkenntnis durchforscht wurde, ohne ein wenig nur Scham mitspielen zu lassen. Hatte ich zu schnell vorgegriffen und nicht verstanden, einen Erfolg zu untermauern?

Habe ich die Gefühle meines Partners herausgefordert und bin mir dabei nicht im Klaren gewesen, was das bedeutet, und zwar für alle beide, liegt nur der Vorstoß aber keine größere Einsicht vor. Ich habe mich so durchs Leben geschlagen und wenn es für mich bisher keine andere Variante gab, ist dafür die fehlende Alternative als Ursache längst nicht mehr in Frage gestellt und andererseits eine Aussicht auf eine solche mehr und mehr gefragt. Und wenn es bisher noch keine Chancen gab, wird sicher nur auf ein Abwarten besserer Zeiten zu bauen sein, denn eine Umerziehung unter der Bedingung minimalster Aussicht auf Ablegen früherer Gewohnheiten ist zu viel verlangt.

Die meditative Vorliebe, mit der ich mich wiederfinde und etwas erfahre, lässt sich mit einiger Kenntnis auch mit wenigen Worten erklären. Die Bereitschaft etwas in Erfahrung zu bringen, was mich ständig beunruhigt und ganz einnehmen kann, das ist eine meditative Abfolge von Gedanken zur bewundernswert logischen und vertrauten Eigenheit der Vorstellungswelt. Es ist die beständige Wiederkehr, mit der sich das All unserer Seele öffnet und eine Entsprechung herausfordert, die uns voll und ganz befriedigt. Sind aber keine Entsprechungen mehr möglich, weil starke Kontroversen Einzug hielten, oder sich gar eine Bedrohung der nackten Existenz am Horizont zeigte, verfallen solche wie ich, die nicht damit rechnen wollten, ignoriert werden zu können, in tiefes Nachdenken.

Hatte ich ein `Herz´ für jemanden, und war es ein Moment im Leben, der Hochstimmung brachte, weil ich es fertig gebracht hatte, mir den leichten Hauch von Exotik in den zwischenmenschlichen Beziehungen plötzlich mit Offenheit und Dank einzuverleiben, wandelt sich Tragik in Opferbereitschaft. Diese Aussicht muss eine Einkreisung einschließen, die nicht davon ausgeht, dass es für mich gut ist, was ein anderer macht, denkt und fühlt, sondern nur darauf eingehen zu können, was reale Chancen bietet, das ist wichtig. Damit wird meine körperliche Bindung minimal und umso loser die Bindung an einen anderen Menschen ist, desto weniger Unfreiheit macht sich bemerkbar. Ich bin mit der Überzeugung herangegangen, dass im theoretischen Fundament eine so verständliche und Rückhalt bietende Aufgabe formuliert wurde, dass eine erfolgreiche Lösung bevorsteht, die wachsende Möglichkeiten bietet. Dennoch sind derartige Anfeindungen schwerlich als unbedeutend zu bezeichnen, womit der volle Triumph zusehends wertvoller wird.

Ich bringe damit zugleich Klette nach Auflösung unserer Verlobung auf meine Seite, denn ich finde selber Kraft zur Distanzierung von einnehmenden Wesen, die mir Befreiung bringt, da ich ohne Drang das ins Verhältnis setze, was sich auf den anderen bezieht und von diesem so und so geleistet wird. Also versteht sich eine eigene Zuneigung als ein die Beziehungen aufwertender Faktor und es ergibt sich ein Wert für eine sinnstiftende Versammlung in vernetzten Sozialbereichen, der berechenbar scheint, als ob es sich um einen Wirkungsgrad handelt. Gleiches müsste auch weitaus allgemeingültiger sein, denn eine aufgelöste persönliche Leistung (Partnerschaft) wird einem Verlust von Kontrolle gleichgesetzt werden müssen, was nunmehr keinerlei Erwartung bringt, denn ein kleiner Wasserfall versiegt und das Rauschen erhält einen anderen Klang, was den Wirkungsgrad heruntersetzt. Das ist das Zeichen dafür, dass ein Engel geboren wurde, so dass eine virtuelle Aufwertung ins Leben gerufen wurde. Diese Aufwertung läuft parallel zu allen Beobachtungen und Erinnerungen, was das eigentliche Geheimnis einer gedachten Intimsphäre sein muss.

Damit ist die Herausforderung eines einzigartigen Gefühls umschrieben… Im Volksmund heißt es das Verantwortungsgefühl und leitet sich womöglich vom prähistorischen Angstgefühl ab, das sich durch seine Dominanz weitgehend verifizieren ließ. Eine Sensibilisierung, die sich bei Ausblick auf ein Erfolgsergebnis ergibt, bestärkt oder unterwandert die Handlungsfähigkeit bis zur maximalen Einengung früher anzutreffender Orientierung.

Ohne Übertreibung ist Kenntnis notwendig, die einzig in mittelalterlichen Lehren zu finden ist. Haben nicht einige auch ein kleines Problem damit, dass allzu viele Einsprüche in einzelne Handlungsabläufe eine fortwirkende `Umleitung´ von Gefühlen ergeben, wobei andere mehr oder weniger wankelmütig werden, was an anderer Stelle nachgelesen werden kann: „schmachvolle Handlungsweise (lässt) in unserem als auch im Namen aller Mitmenschen reumütig Abbitte … tun“?. Ist das nichts anderes als Verantwortungsgefühl, so dass ein höheres Gesetz jegliche emotionale Bewegung in verschiedene Richtungen unterbinden wird, keine Differenzierung und weiteres Abtreiben zulässt, keine Vereinzelung weg von der Vertiefung in `flachere´ Erlebnisbereiche? Der Hüter dieser höheren Gesetzlichkeit ist sich dessen bewusst und eine Personifizierung beziehungsweise Acta Apostolorum wird es erschweren, eine stabile Grundlage, d. h. materielle Basis aufzubauen, weil ein Hüter unter uns sein muss, wodurch erst Zufriedenheit erreicht wird.

War es richtig anzunehmen, einen so exakt grammatisch verankerten Mechanismus wie die Sprache nutzen zu müssen, um durch Darlegung von Paragraphen zur Verhütung von Gesetzesverletzungen vorwegzunehmen, womit Zerrüttung in verschiedenen Kreisen im extremen Fall enden kann? Kaum. Zur Umerziehung bei Fehlverhalten wäre es notwendig, einen Fehler so oft zu wiederholen, bis sich eine richtige und sich aus dem Fehler ergebende adäquate Handlungsweise erwarten lässt, was als Nachweis einer sprachlich artikulierten Widerrede bei richtiger Argumentation hinsichtlich einer Fehlleistung bedarf. Das widerspricht aber dem gesunden Menschenverstand. Mit meiner eigens geschulten Überzeugungskraft wird aussortiert, um auszuschließen oder wenigstens ein entsprechendes Ziel anzustreben, womit die urwüchsige Angst auf den Plan gerufen wird.

Kapitel 6    FONS ET ORIGO

Deshalb muss nicht versucht werden, aus dem Osten neue Ideen zu bekommen, neue Dichtung oder eine Flut von Literatur kramt keiner aus seinem Gedächtnis hervor, wendet sich sein Blick den Quellen der Zivilisation zu. Habeas tibi. Ich fühle mich angesprochen. In meiner behüteten Welt spüre ich etwas. Außerhalb des `Hüters´ verliere ich das Gefühl für Zeit und Raum, so dass es bald ein starkes Bestreben geben wird, dieses wiederzufinden, in das Reich zurückzufinden. Ich nannte es manchmal Anstrengungsbereitschaft und Quasiemotion, weil es an sich keine einfachere und einleuchtendere `Symbolik´ für Tibbie gab, als Lukas, mit dem sich das alles von einer höheren Warte aus betrachten ließ. Wie sich jede Aufregung zu verstehen gab, nur um diese Lukas mitzuteilen, damit er sich auszukennen suchte, um doch ein anderes beschreibendes Element einzufügen, womit ich bestärkt wurde, dass ich richtig in der Annahme bin, auf meine heile Welt zusteuern zu müssen. Jedes triebhafte Bestreben wird diese letzte Instanz vor einer glücklichen Fügung einklagen, weshalb alles andere, was uns umgeben muss, nur ablenkt und einen teuflischen Reiz ausübt, dem ich widerstehen muss, was aber nicht sein kann.

Dem erstmals zu Bewusstsein kommenden Status entspricht also meine inständige Bitte, um keine Eselsbrücken bauen zu müssen, die sich aus der Verwendung von `unscheinbar´, `einschneidend´ und `bescheiden´ anstelle von `unterscheiden´ zusammenpflastern lassen. Sehe ich mich von Unfähigkeit geplagt, aus der wirren Verheißung eine reine Wahrheit abzuleiten, kann ich immer nur übelnehmen. Der Schritt für Schritt zunehmende Abstand von einer vagen Annahme zur sicheren Übernahme bewiesener Fakten ist desto größer, je unverhoffter ein Beweis vorgelegt werden kann. Hieraus hat sich nun die Skepsis ergeben, die nicht alles unverzagte Durchschlagen zunichtemacht, sondern für Tibbie nach Lukas eine Formel darstellte, die dazu gut war, keine Fehler zu wiederholen.

Mit dieser Skepsis lässt sich auf mehr Verständnis hoffen, vor allem, was bisher unerreichte Durchdringung von Materie (besonders in der Literatur) betrifft, und dabei geht es mir nur um die sprachliche Wiedergabe, der bestimmte Exaktheit innewohnt, und um das Schweigen. Mit diesem wird mancherlei gehütet, an welche Geheimnisse ich dabei auch denke, die solange bestehen bleiben, wie Worte gesucht werden, für Bekenntnis oder Verrat, mit denen eine schamvolle Entblößung persönlicher Angelegenheiten verhindert werden könnte. Denn alles ist menschlich.

Wird sichtlich jedoch eine, obgleich nur unbestimmte Intimität als eine nie völlig zu behebenden Unwissenheit oft verziehen, weil sie nur `begnadete´ (auch Klette hatte davon nicht gewusst) Kreaturen zu umgehen scheint, ist es noch lange keine Berechtigung zum Anflachsen. Nur so wird eine höhere Gesetzlichkeit behütet werden können. Sollte sie gleichwie in Vergessenheit geraten, denn es wird jedwede Einstimmung auf einen Schöpfungsakt unwahrscheinlich erschwert, da nicht zugelassen wird, dass alle kunstvolle Reden schwingen, wird verfluchte Pflicht und Schuldigkeit aus juristischer Prätention angedroht. Wird eine allzu ablehnende und gleichwie allzu nüchterne Aufnahme von Fakten zur Regel gemacht, besagt dies einen Reifeprozess, wo der Endstand wesentliche Aufnahmefähigkeit für gerade überwundene Sternenstunden voraussetzt. Erst angelastete Unkenntnis, wobei ein gesicherter Stand zur Suche in einem üppigen Katalog von Kriterien Anlass bietet, bringt bis an den Rand der Verzweiflung.

Von eingehaltener Distanz zur kraftvoll auflebenden inneren Sammlung und Besinnung auf die eigenen Stärken, denn vor allem hier steht ein eigens für mich gegen voreilige Annäherung gegebenes Vehikel bereit, hängt es ab, diese abwartende Ungeduld aufnehmen zu können, wie beim Start über die 200-m-Distanz. Eine Distanz, oder noch eher ein Fixieren des Balkens vor der Weitsprunggrube, wo bei einem Übertreten eine unbedingte Disqualifizierung des Sprungs angezeigt wird. Damit besteht etwas Ungewissheit, wie der Sprung in bodenlose Entwicklungsmöglichkeiten ausgehen wird, was an unseren begrenzten Horizont heranführen wird. Erst eine Identifikation mit einer so lebensnahmen und wechselhaften Urteilskraft macht es überhaupt interessant, an irgendeine Hirtenrolle zu glauben, wo es weder Neid noch Auflehnung sondern nur Freude an einer aufkeimenden Lust ist, sich mit derart grandiosen Einsichten, wie zum Beispiel aus der Bibel, von einer anderen Seite an das Leben heranzuarbeiten. So ist alles, was von außen herangetragen wird, sofort aufgewertet? Ist denn eine andere Kontaktaufnahme unmöglich? Wird ein ungezwungenes Verlangen nach dem Greifen zur Bibel nicht zum Verhängnis, ereilen mich spätestens nach den Büchern Mose ungemein schwere Gedanken, dass ich keinerlei Bücher je wieder schätzen werde, wovon es abhängt, womit ich mich weiterhin überhaupt befassen werde. Dazu allein ist das Bibelstudium vorgesehen? Ist dieses Wissen wirklich primär?

Angenommen, dass es in einen Dschungel führt, weswegen auch immer und wo auch immer. Würde ich die Unwissenheit in einer durch die Bibel gegebenen Auslegung in einem Verstoß gegen Gebote auf die Spitze getrieben haben, bin ich in meinem konkreten Fall kein Einzelfall.

Dagegen ist der Prozess so musisch lehrreich, streift ausreichend viele sinnreiche aber meist abwegige Vorstellungen, dass er mich auffüllen kann, was zur Suche eigener Bedürfnisse als reines Gesellschaftsspiel veranlasst, wozu schon lange alle Voraussetzungen vorlagen. Soll dieser nicht abbrechen, ist ein erbrachter Beweis für lustvolle Zuwendungen weiterzuführen. Ich erlebe die Öffnung weiblicher Intuition, intimster Antriebe und leichter Selbstvergessenheit.

Daraus hervorgehend und nimmer verblassend verspürte Tibbie den gänzlich aufgehobenen Bildungsweg ab der ersten Kontaktaufnahme durchaus herausfordernder Art bis zur heranreifenden Überzeugung von einer ästhetischen Wirkung. Außerhalb dieser Selbsterhaltung ordnen sich lediglich die Ansprüche, die in ihrer Mehrzahl das Auftreten als ein Eintreten in einen Bekanntenkreis so arrangieren, dass möglichst viele Vorteile erzielt werden. Ein hemdsärmeliges Geschöpf sieht aus dieser beträchtlichen Entfernung wie ein Kämpfer in einem Schattenspiel aus, der in jeglicher Beziehung verlieren muss. Als Lukas das mitbekommen hatte, fühlte er, den wachsenden Ansprüchen etwas nachgeben zu müssen. Auf dieses `etwas´ kam es an, da zwar ein Äußern von Bedenken von ungeschriebenen Gesetzen ausgeschlossen wurde, aber wie immer kam es zur Erhaltung der eigenen Kräfte.

Tibbie hatte damit nicht rechnen können und ihr wurde jetzt bewusst, dass auch Nancy nach dieser bitteren Erfahrung veranlasst wurde, alle quälende Zerknirschtheit nach offen gezeigter Siegesfreude, so über männliche Inkonsequenz triumphieren zu können, über sich ergehen lassen zu müssen. Eine sich so herausbildende reflexhafte Infamie wurde seit Menschengedenken von Frauen auserwählt, was keinesfalls eine einfache Erklärung findet.

Vielleicht ist sie gegen ungerechtfertigte Einsprüche in meine natürlichen Umgangsformen gerichtet, die, durch Herausforderung und Kränkung beleidigt, dennoch vor keiner Aussicht Halt machen, auch nur mit Mühe davonzukommen, soweit zur Regel gemachtes Widerstreben für eigentliche Verstörtheit verantwortlich sein kann. So stehe ich da, ohne eine leise Ahnung, wie ich mit einer Umstimmung klarkommen werde, die von einem Partner absichtlich nicht direkt angestrebt wird.

Hin und wieder war ich richtig in Lukas verknallt, als ob er mich in seiner etwas scheuen Art wiederholt daran erinnerte, was für mich einmal so viel bedeutete. Meine Infamie sollte sich nie wieder dazu missbrauchen lassen, sich plötzlich anbahnenden Komplexen begegnen zu können.

Die einprägsamen Züge von Lukas bestärkten in der unbedingten Befolgung offensichtlich richtiger Bemerkungen.

„Fühle dich nicht abgewiesen, denn es fällt manchmal schwer zum Zutrauen etwas hinzuzufügen.“ Es war kaum der verhängnisvolle Satz verklungen, als eine schmerzliche Erinnerung in den schönen Gesichtszügen aufzuflackern schienen. Dabei hatte das Ereignis wohl lange zurückgelegen, denn es durchzuckte plötzlich Tibbies Bewusstsein die Frage, ob Lukas eigentlich viel älter war als sie, so dass sie seine Erlebnisse stets mit rückblickender Ungewissheit aufnehmen würde, (wie alt war ich denn da gewesen?) da sie offensichtlich, bevor sie in die Welt gesetzt wurde, davon nichts erfahren konnte.

Es gab eine leichte Nachlässigkeit, die sich bemerkbar machte, wenn es ans Schlafen ging.

„Wo ist denn meine Weckfunktion eingespeichert?“ … „Los ´raus aus den Federn“, so hatte es den splitternackten Lukas erwischt, der sich seiner unerträglich hitzigen Gedanken und Wäsche entledigt hatte und in den frühen Morgenstunden noch einmal eingeschlafen war. Da er aufsprang, noch etwas perplex, war ihm das Bettzeug entglitten.

„Ich bin schon auf“, der Klang war es gewesen, was aufreizte. Ja, so hatte er geantwortet und Gelächter der ganzen Kinderschar geerntet. Die anderen lagen noch in ihren Betten, die Kindergärtnerin allein stand vor ihm, so verblüfft, dass es eine Pause gab.

Später hatte es mit dem An- und Ausziehen nie Probleme gegeben, wie denn auch, wo alles immer sauber und wohlig an den Körper geschmiegt werden konnte?

Und so war ich es nun, die sich anschmiegte und nie zutraulicher als in dieser körperlichen Nähe wurde. Weshalb fühlte ich mich im entscheidenden Moment abgewiesen? Lukas schwebte zwischen Himmel und Erde, durchlebte sagenhaften Aufschwung.

„Nun“, sagte sich Tibbie und das machte ihn verrückt. Er hätte nichts mehr sagen dürfen. Ich konnte nichts mehr hören… Er sah auf einmal so hilflos und lächerlich aus. Er erwartete von mir eine Aufforderung und hätte doch noch weniger zustande gebracht. Das war für Lukas wie eine Kaltwasserdusche und auch später fand er nicht mehr den Mut sich zu überwinden. Er fand immer ausweichende Antworten, plötzlich vergessene Arbeiten oder andere Ablenkungen, die ihn verdächtig kalt lassen, so dass solche Vorfälle bald in Vergessenheit geraten mussten. So ein Miststück. Aus der lässigen Haltung heraus wird aus der Beherrschung ein abstraktes Gedankenexperiment, in dem mit den zurzeit aktuellen, mit bürokratischen Systemelementen unpersönlich gemachten Begriffen jongliert wird.

Ist mir nie zu Ohren gekommen. Was sich mit einem lapidaren Einwurf in einer Unfähigkeit, Gedanken anderer auszudeutenden, auftat, waren abgrundtiefe Wissenslücken. Der einzige Ausweg ist das Zugeständnis: „Hätte ich das gewusst“ oder „Ich habe es ja gewusst.“

Was ist dazu notwendig, einen Fehler so einzusehen, dass immer wieder mit einem solchen, der sich unbedingt wiederholen wird, gerechnet werden kann, um nicht leichtfertig darüber hinwegzugehen und die notwendige Einsicht, ohne eine eigene Schuld davongekommen zu sein, zu verbauen? Ließest du dich einmal in die Irre führen, lass dich nicht zweimal fragen, und wenn es dich auch nicht umhaut, macht es dich doch nicht stark.

Ich hoffe noch ein wenig auf ein Wunder, das nicht nur meinen von Haus aus mitgegebenen Aktionsradius, der sich immer stärker durch eine negative Beeinflussung in die Privatsphäre eingrub, einengen, sondern uns beide umstimmten konnte. Aber es sammelte sich nur so etwas wie Verlangen an, dahinterzukommen, wo vielleicht eine andere Frau steckt, die er dann an meiner Stelle aufleben lässt.

Die Abkehr von abfällig gewordenen Reaktionen, die eigentlich das Fehlverhalten ausmachen, was auf einmal ganz klar vor Augen führt, dass es vorbei ist, ist so kraftraubend, weil die Bemühungen mit einer Abkehr verbunden sein werden, was philosophisch tief in der Erkenntnistheorie verwurzelt ist. Das geht auf Hegel zurück, der eine so gewaltige Autorität darstellte, dass von hier ausgehend, ganze Generationen erzogen werden konnten. Wer seine Anhängerschaft zusammenhalten konnte, das war Hegel, vergleichbar mit Salvador Dalí. Es wird einer Kollision mit vielfacher Aufprallwirkung entgangen. Was um so einen fehlgegangenen Vorstoß alles still schweigend als Intrigen aufgetischt wird, wird sich wie ein Schwall von Einwänden so verdichten lassen, dass nur noch ein kleiner Schritt fehlen wird. Die auffliegende Systematisierung unterliegt nicht nur einer Neuordnung, sondern nicht mehr notwendig zu zeigende Einsicht in eigene Fehler, nunmehr völlig nebensächlich, wird jeglichem Desperado die kalte Schulter zeigen lassen. Die rechtzeitige richtige Unterstellung aller Spielarten heimlicher Suche nach Ausflüchten macht es dann überflüssig, Befürchtungen aufkommen zu lassen, womit sich ein Wunsch erfüllte, worauf ich im Fall von Klette vergeblich gewartet hatte.

Nach einer überall leicht nachzuvollziehenden und sehr geläufigen Ansicht ist zudem alles, was auf den ersten Blick richtig aufgefallen ist, würde es sich auch später bestätigen müssen, etwas, was sich einstellen wird. Sobald das Neugeborene das Oval des Gesichts der Mutter von anderen Eindrücken trennen kann, wird das Mutter-Kind-Verhältnis unvergesslich, was die engste Bindung in den menschlichen Beziehungen herstellen lässt. Über Jahre hinaus wird jedes fremde Oval verbannt und bis zu Schreikrämpfen gesteigerte Beweise einer ablehnenden Haltung werden zur Suche eines Auswegs aus der Konfliktsituation, die sich deshalb als negativ einstufen lässt, weil das Kind seinen Kopf durchsetzen will und als Querkopf erscheint. Eine kindische Unterweisung war der Schlüssel zur Erkenntnis, dass das Veto von Lukas alles wegfegte, aber vor der Konsequenz musste er zurückschrecken. Es ergab sich also nicht die Geometrie, die das Oval verallgemeinern konnte. Es war keine Belebung abzusehen, mit der ein bisher nicht zu veranlassender Gegenüber auf den Gedanken kam, immer alles darauf zu schieben, dass es … was? Irgendetwas kann in das Leben eintreten, das zuerst ziemlich fragwürdig ist, aber eben nur so fragwürdig, dass es doch wie ein Dogma übernommen wird, vielleicht weil so nicht gegen die Regel zu verstoßen ist.

Viele sind sich darüber im Klaren, dass offensichtlich Unterschiede bestehen, wie Männer und Frauen ihre Umgebung wahrnehmen. Frauen nutzen vorteilhaft die Schwäche, den Blicken auszuweichen, wenn es einem Fremden nicht angebracht erscheint, direkten Blickkontakt aufzunehmen. Hierdurch würde sich ein besonderes Interesse an auffälligen Besonderheiten zeigen. Das ist eine Eigenart der Männer, die ein Opfer fixieren, Frauen dagegen können sich in einer Vielzahl optischer Eindrücke zurechtfinden, ohne die Dinge im Einzelnen ins Auge zu fassen. Ihre Reaktion auf schnell heranreifende Wechselfälle ist damit eher ungenau und so verlangen sie nach Sicherheit, die sich aus einem geordneten und damit anspruchsvollen Alltag ergeben muss. Fesselt die männliche Psyche etwas besonders, so kann der Blick nicht abgewendet werden, was zur optischen Merkmalsprävalenz führt. Somit ist die Reaktion auf etwas, was plötzlich am Rande des Sehfeldes auftritt, viel spontaner als bei Frauen. Das sind die Spielregeln, an die sich andere entweder halten oder nicht. Und die angebliche Herausforderung durch aktive Frauen, wenn man ihnen nicht gewachsen ist, vermag die Anschauungen zu verändern.

An Klette war ein erster Wandel zu angriffslustiger Verwegenheit zu bemerken gewesen, aber es gab keinerlei Konsequenzen. Waren es verbleibende Erinnerungen an kleinste Einzelheiten einer nicht wiederholten Begegnung? Denn er war auf Reisen gewesen, so zur Trennung veranlagt, dass es sich nie in geregelten Bahnen bewegen konnte, wie sie miteinander auskommen sollten, was die Trennung dann auch endgültig machte. Das blieb der erste und unverrückbare Kontakt, der gesucht und eindeutig resultativ wurde, nämlich durch ein Versprechen, einen Abschied und ein Aufheben von Fotos mit den einzigsten Erinnerungen. Es gab keine Hoffnung das wieder abzulegen, was so tiefgründig überlegt worden war.

Über diesen Temperatursprung in einer sich rapide abkühlenden Beziehung lässt sich ausgiebig philosophieren. Aber noch wichtiger war für mich, obwohl ich mir die Zusammenhänge nicht vorstellen konnte und sicher ein Gespräch über solche Dinge nie zustande kommen würde, weil sie viel zu intim sind, um richtig verstanden zu werden, wie wenig Klette verbergen konnte, dass eine Bindung von Dauer nie mehr zum Ideal erklärt werden konnte, wenn es nur kein Wunder ist. Er konnte nicht sagen: „Ich brauche dich, Nancy.“

Würde er sich mit Lukas treffen, was ich nicht wünsche, und sie würden sich einigen können, müsste es ein langes Gespräch geben, damit sich beide aussprechen könnten. Dass sich etwas unerwartetes daraus ergeben könnte, ist daraus ersichtlich, dass ich nicht möchte, dass Klette etwas erfährt, was nur für mich und Lukas bestimmt ist. Damit würde ein Schleier, hinter dem ich mich versteckte und mir nur vorgetäuscht hatte, was mir sehr viel Anstrengung gekostet hätte, fallen gelassen werden, womit die Zukunft unbestimmt zu werden schien. In Klettes Phantasie würden sich Gedankengänge abzeichnen, gegen deren Akribie ich machtlos gewesen wäre. Die ursprünglich von den Eltern anerzogenen und behüteten Gewohnheiten des Zusammenlebens sind erstmals durchbrochen, wenn der elterliche Segen gegeben wird. Dieser Segen ist nicht unbedingt übertragbar, und wer nicht davor zurückschreckt, sich vor den Eltern schuldig zu machen, plaudert vielleicht Dinge aus, die den Anspruch auf Vorrechte aufspüren lassen, was dann zum Abbruch führen muss. Wird mit Kenntnis der Sache, würde viel mehr Vertrauen entgegengebracht werden können, darauf verzichtet werden, ohne lange Vorrede überall einen Anwalt zu spielen, der die Nase dort hineinzustecken hat, wo meistens die entsprechenden Informationen herausgefischt werden können, wäre es keine Schande, beim ersten Wortwechsel den kürzeren zu ziehen. Lukas würde sicher auf Diskretion achten, da für ihn die Trennung unangenehm war. Aber würde es lange dauern, bis er kluge Ratschläge geben würde?

Wer sich sicher fühlt, auf Anhieb immer mehr zu wissen, als unbedingt zur Sprache kommen muss, würde auf jegliche Ratschläge verzichten. Aber nicht Klette, und ich hatte selber kein Verlangen, Lukas zu beweisen, dass es ein schöneres Erlebnis gegeben hat, als seines mit Tibbie, als sie eine Schwäche für die hatte, die sie verstanden, weil sie einen Bezugspunkt für Zugeständnisse an sich selbst brauchte. Vor einer herablassenden und unkritischen Suche negativer Intentionen, bei Lukas war sie davor absolut sicher, kann sich kaum jemand retten. Ich denke in dieser Beziehung an Lukas mit etwas wehmütiger Bewunderung zurück. Wo hat er das her? Womöglich aus einem Hang zu stark abwertenden Bemerkungen zu mehr als unbequemen Fakten, sollte auf einmal jemand auf solche eingehen, welcher Anlass auch immer gefunden werden konnte. Es wäre für mich verwunderlich, hätte eine offen gebliebene Frage nicht umgehend zur Wertschätzung einer Leistung geführt, mit der je auf die eigene Person hingewiesen werden konnte, und zwar mit einer einzigen Wandlung der Ansichten. Ich sah mich von leichter und ungestümer Tat, die stets das wohligste Gefühl oder die schamhaftesten Momente brachte, weggefegt und der schweren Entscheidung folgend, da diese bewusst wurde und vernommen werden konnte, zur Güte bekehrt, die sich durchsetzen konnte, indem sie höher gestellt wurde als etwas, das Kraft verleihen kann, wenn kein Zweifel mehr besteht, dass vor einem gestärkten Partner nicht zurückgesteckt werden braucht. Die keinesfalls leicht fallende Bevorteilung des stärkeren und besseren Individuums, sei es nun auch erst nach Hinweis auf Tibbies zu entschuldigendes Fehlverhalten eingetroffen, hat harte Konsequenzen. Sobald diese ins Kalkül gezogen werden, verbreitet sich unumgänglich Ausweglosigkeit, so dass das Dilemma mehr zum Verhängnis wird als angenommen. Ich kann es aber verwinden! Wobei möglichst wenige Worte verloren werden müssen, ehe ich dem Lukas nachgebe, da er es wohl schaffte, die Unbequemlichkeiten lange zuzuspitzen, bis sich die Schleusen öffnen.

Ein ständig herausgeforderter weiblicher Instinkt bereitet mehr Kopfzerbrechen, was eine menschliche Schwäche in der Beziehung zu einem vorerst nicht willigen Bekanntenkreis, wo zu wenig Beistand alle Versuche widerlegt, einer Schutzfunktion gleichgesetzt. Ich bin erst mit einem anderen Wesen konfrontiert, wenn alle Zweifel zerstreut werden, die am stärksten dort sind, wo keine Kraft gefunden wird überzeugende Privatgespräche zu führen.

Auch hierbei kommt es auf den richtigen Ton an, der von einem persönlich verstandenen und befolgten Prinzip. Ich gehe, wie es in der Mehrzahl alle Menschen tun, die es keineswegs bis ins einzelne kontrollieren müssen, nur dann auf ein Gespräch ein, wenn nicht der Anschein einer völlig neuen Formulierung zur Widerlegung von Argumenten erweckt wird und keinesfalls zu hohe Erwartungen in die Worte gelegt werden. Hierbei geht es mir prinzipiell um die Einschätzung, ob auf einen unterstellten Usus gebaut werden kann oder besser unwahrscheinliche Neuigkeiten gesehen werden sollten, von denen eigentlich nichts zu erwarten ist.

Kapitel 7    VERBI GRATIA

Kann etwas für mich neu sein, nicht dass, würde es so dargestellt werden, als wäre es der Weisheit letzter Schluss Nein. Es kommt auf den Gesprächspartner an, auf den ich in meiner Vorstellung ganz eindeutig herablassend oder gutgläubig reagiere, sei es ein Angeber oder einer von uns, der ganz sicher gehen will. Jeder hat sich schon einmal die Frage gestellt, ob er einen Kreis von Leuten durchschreiten kann, in den er jemanden aufgenommen hatte, der ihm lieb geworden war. Nicht so direkt, dass es ein Kriterium geben würde, nach dem es ausgerechnet eine Person sein muss, mit der alle gerechnet haben. Es geschieht meist, wenn der Höhepunkt überschritten worden ist, wo alle Sorgen vergessen werden, nach göttlichen Fügungen, wo niemand drängelt oder gar das Image in Frage stellt. Nein, es bewegt das einfachste Bekenntnis, womit eigene Probleme ad acta gelegt werden. Die Gläubigen wenden sich in solchen Fällen dem Gebet zu: Gott sei Dank. Aber gesucht wird doch ein Kreis Gleichgesinnter, die einem lebendigen Zeugnis gleichen, das als Beweis angeführt werden kann, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Derjenige, der diese Fähigkeit entwickelt, wird sich dessen bewusst werden, dass es das erste Zeichen einer ausreichenden Freiheit ist, die notwendig ist, um über den eigenen Horizont hinaus ansprechende lyrische Empfindungen vorzufinden.

Ich kann weder mein Frauenherz verleugnen, dass eine stets offene und zugängliche Denkweise absichtlich in Widerspruch zum gehobenen und manchmal lächerlichen Getue bringt, noch von uneingeschränkter Freiheit träumen. Möchte wissen, ob eigene Ideen mit so viel abwartender Lässigkeit generiert werden können, dass eine zu überhebliche Lustbarkeit abgebaut werden kann. Wie einfach auch von einem Problem gesprochen werden kann, wird doch erst in weiser Voraussicht zuzuordnen sein, ob es sich um einen nichtigen oder paradoxen Sachverhalt handelt. Wunderliche Dinge werden Frauen nachgesagt, die meist nicht irren. Aber weder Tibbie noch Nancy haben in der eigenen Bestimmung, ohne die Partnerbeziehungen einzukalkulieren, so tiefgründige Intentionen gesucht, die später so allgemein angefochten werden konnten, dass unbedingt ein Kampf auszutragen wäre. Dennoch verlangt es der gesunde Menschenverstand sich über jemanden von uns zu stellen, um wirkliche Stütze sein zu können. Dieses stille Erleben der eigenen Eingriffe in den Weltenlauf über alles vergessend, wird eine Nichtanerkennung zuweilen übelgenommen, und ein Wesen wie Tib begnügte sich auch hier mit leiser Verachtung: Es wäre unmöglich auf diesen Werdegang Einfluss zu nehmen, da sie keinen an sich heranlassen, um nicht verletzt werden zu können. Sie bezwecken keinen Kraftakt, sondern bekennen sich zur häuslichen Wohltat bei ihrer Übernahme der Daseinsberechtigung.

Hier liegt ein tieferes Verständnis vor, was auf ungeteilte Meinungen zurückgeht, denn es besteht eine gewisse Scheu vor Äußerungen zu emotionalen Belangen, was immer nur wieder gefördert wird. Meist sind hier Worte belanglos oder werden falsch verstanden, und damit provozierend. Aus diesem Grund sind viele Regelungen im Vorhof der großen Kunst, der Redekunst anzutreffen.

Dabei besteht die Kunst darin, einen bestimmten Gedankengang nicht zu unterbrechen, keinen Zwiespalt aufkommen zu lassen, solange es um schon geläufige Systeme geht, die in ihrer Permanenz und Abgeschlossenheit etwas bewirken können, einen ursächlichen Zusammenhang herstellen lassen, der keinen Deut abweichen darf. Jede weitergehende Überlegung, die eine Stimmung mit aufwändiger Kontrolle einleitet, behalten, kann ich meist erst nach, wenn das gestattet ist, kreuzgefährlicher Unterbrechung bisher flüssig abgelaufener Stimmungsbilder.

In jeder einzeln gegebenen Beziehung vorliegender Zustand ist letztlich von ungeschriebenen Gesetzen, die immer so ausgelegt werden müssen, dass sie nicht übertreten werden, in meiner Anschauung gerechtfertigt worden, was dazu führte, dass ein Aufwand getrieben wurde, der mir neu war, mit dem ich nicht gerechnet hatte und wohl nie einverstanden gewesen wäre, hinge davon nicht ab, ob und wie sich ein Selbstwertgefühl entwickelt. Ich stoße sofort an die Grenzen, wo es keine logische und überzeugende Retrospektive geben kann, was um so eher passiert, je besser die Redekunst ausgebildet ist, mit der sich eine abwartende Haltung auffangen ließ, weil etwas einfach nicht sein sollte, weil ich es nicht wahr haben wollte. Da es Lukas war, der mit seinem Veto bei mir sehr viel erreichte und bei meinem unschuldigen Wachsen, da es fehlerfrei in Bahnen gelenkt wurde, die besten Kräfte verschwendete, blieb ihm nichts anderes übrig, als im Mittelpunkt meiner Kunst zu stehen. Als er nicht mehr sicher sein konnte, dass seine aufkeimende Liebe mich noch an ihn binden konnte, drehte sich auf einmal alles um eine Zukunft, die ich mir rosig vorstellte. Damit war nichts anzufangen und eigentlich war es mir auch egal. Nur Lukas nicht. Es war nur noch ein kleiner Schritt bis zur völligen Entblößung meiner Wunschvorstellungen, an denen ich nun ganz allein auf mich gestellt, alles messen musste. Vor allem suchte ich in jedem Gegenüber erst dieses Idealbild, bevor ich es nicht finden würde, ließe ich nicht von der Suche ab, wobei Lukas unbeeindruckt seinem Glück in die Arme lief und bald schon drei Kinder hatte, von seiner Frau schwärmte …  Das war wirklich ganz neu für mich und ich wurde darin bestärkt, dass das Leben erst begann und nun vieles oder sogar alles von mir selbst abhing. An sich eine bemitleidenswerte Rechtfertigung, denn meine Erwartungen waren nach außen gekehrt, zu offensichtlich Hinderungsgrund geworden, was sofort zu merken war und immer dann besonders aufdringlich zu werden schien, wenn ich es nicht brauchte. Natürlich wurde es von vielen hingenommen, aber nicht wieder vergessen. Nach jedem Annäherungsversuch blieb offen, wer wem mehr Gleichgültigkeit entgegenbringt, und darüber wurde gerätselt, dennoch war das der einzige Vorwand für mich gewesen, Klette vom Gegenteil zu überzeugen. Er selber hatte aus keinerlei Interesse an lächerlichen Szenen sofort abbrechen können. Mir verging alle Lust, ihn überhaupt mit Problemen zu belasten, wenn ich sah, dass es ihm schwer fiel, auch nur eine einzige spontane Anregung zuzulassen – als ob er abgeschaltet hätte. Wozu auch. Alles hat erst den Anschein unverkennbarer Routine, mit der jede Frau auskommen wird, solange keinerlei verfängliche Situationen darauf hinweisen, dass eine andere in Wirklichkeit das vollbringt, was sie sich selbst vorgenommen hatte. Womit sofort eine Anleitung zum Handeln in Betracht gezogen wird und mir wird jede andere Recht geben, dass sie weiß, wie sie allein damit fertig werden wird, denn es ist lediglich eine Zeitfrage. Bei dieser Abhängigkeit von der Zeit lässt sich auch annehmen, dass der erste Eindruck vielleicht ein Irrtum gewesen sein kann, überlässt Klette es dem Selbstlauf. Im entgegengesetzten Fall ist eine sprunghafte Überleitung auf das gewohnte leidige Thema zur Desillusionierung einfach notwendig, so es keine Schonung geben wird. Diese Schule hatte er hinter sich, weil ihm alles so erschien, als könnte ihm ein derartiges Abenteuer nicht in den Sinn gekommen sein, gleichgültig in welcher Weise. Ob er etwas verpassen könnte? Oder war er wieder ansprechbar?

Und warum sollte ich ihn nicht ansprechen. Sein unverkennbares Interesse hielt er nicht zurück wurde sogar ungeduldig, um nicht zu sagen aufdringlich und ich erwartete von ihm stets Anerkennung meiner unverhohlen direkten Art Sicherheit vorzuspielen. Hieraus entstand keine bleibende und leider auch keine beeindruckende Chance oder Hoffnung, so viel Eindruck zu machen, dass die Ausweglosigkeit nunmehr gänzliche vergessen werden musste.

Ich finde heraus, mit welcher Begrenztheit von einer Wiederholung von Fehlentscheidungen zur anderen übergegangen wird, was vor allem aus sehr einfach zu korrigierenden Banalitäten als Hinweise entnommen wird, um einen Zugang zur Strenge in Formulierungen zu bekommen, so dass sich allein aus der Grammatik mehr ergibt, als nur Regeln für die Groß- und Kleinschreibung, wo sich die Anrede entweder von einfacher Darlegung den Partner betreffender Fakten, wie: `da hast du dich geirrt´, unterscheiden muss oder nicht.

Die Folgen können und müssen etwas aufwiegen, was bisher tragbar war, aber da es mit fortschreitender Zeit zur Ansammlung von negativen Einflüssen einmal zugelassener Fehlentscheidungen kommt, gibt es einen Schlusspunkt, der von `höherer Gewalt´ gesetzt wird. Zum Beispiel sollte nach zehn Jahren eine Tätigkeit aufgegeben werden, oder nach einiger Zeit müssen Reformen, sei es in der oben erwähnten Grammatik beziehungsweise Rechtschreibung, wesentlich bessere Verständigungsbereitschaft ergeben, wenn sich sogar Völker annähern können.

Daher gibt es nach einiger Zeit eine neue Rechtschreibung. Ich wüsste nichts Besseres in solchen Situationen zu tun, als eine feste Beziehung zur Vergangenheit aufrechtzuerhalten, ohne etwas übelzunehmen oder einen Streit zu beginnen. Wo es keinen Weg zurück gibt, kann nur versucht werden, die Wiederholung auszuschließen, mit der sicher ein offensichtlich später zu bereuendes großes Wunder passiert.

Könnte bei jeder Rückschau ein potentielles Aufleben der eingestandenen Fehlleistungen aus berechtigter Perspektive wie ein unangebrachter Scherz abgetan werden? Das war nur einigen Frauen vorenthalten, die sich über ihre eigene Vergangenheit einfach hinwegsetzen konnten, indem sie den der Lächerlichkeit preisgeben, der die Frage nach einer idealen Zukunft, in der es für längst begrabene Träume eine Berechtigung gab, wo einer mit gegenseitigem Zuzwinkern vertraut gewordenen Person in Gedanken immer weiter gefolgt wird, als aus den Fingern gesogen verwirft. Es ist abwegig aus einer geplanten und überlegten Zuneigung das Kumpelhafte auszuschließen, und das will schon gekonnt sein, würde Klette damit bei Nancy anfangen. Es fehlt ihm an Phantasie, um immer eigene Wege gehen zu können, die bei der Überwindung von spürbaren Widerständen einem Reinfall vorgreifen könnten.

War Nancy für ihn die Frau, in der er sich zurechtfinden konnte, wenn die Erwartung offensichtlich in ihn gesetzt wurde, weil nur er allein existent sein sollte? Es sollte keinen weiter geben, mit dem auch nur im entferntesten gleiche Ziele verfolgt werden sollten. Allein dieses Vorhaben kann jeglichen Reiz am Durchleben höchster Leidenschaft zunichtemachen. Aber Nancy kam es auf eben diese an.

Ich bin mir fast sicher, dass sich zwischen uns alles ändern wird. Sobald Klette sich einem Auditorium gegenüber sieht, das mich in seinen Bann zieht. Es ist ja nichts Neues, dass ein Leidensweg nur vorgeschlagen werden kann, ob er gegangen werden kann oder nicht, hängt von den Leuten ab, von denen erwartet werden kann, dass sie auf ein Zeichen von oben reagierend, eine alles verschlingende Welle das reinwaschen lassen, was an Schuld aufgeladen wurde, und so mit ansehen, wie ein erfolgreicher Künstler sich auf ihre Kosten hocharbeiten wird. Ich habe frühe Erinnerungen an die Unbefangenheit, mit der ich diesen komplizierten Mechanismus aufgenommen habe, wenn sich vor meinen Augen ein Heiliger (Zauberer) in einen Schutzengel verwandelte, weil er wusste, dass ich mit bester Absicht meiner Intuition folgte. Ich konnte bald unterscheiden, ob ich verstimmt war, weil ich mich nicht gegen ein Gefühl der Ungerechtigkeit wehren konnte, oder die Ungerechtigkeit von mir zu persönlich genommen geworden war. Ich wusste dann, dass er einen Kreis für mich in seinen Bann ziehen konnte, der mich beschützt, bis ich wieder Boden unter den Füßen spürte. Dieser Kreis hat sich so stark um mich geschlossen, dass er mein Ein und Alles wurde.

Hiermit bin ich vielen Problemen aus dem Weg gegangen, wenn Meinungen darüber aneinanderprallen sollten, was Kunst ist und was nicht, wo Stilrichtungen hervortreten und wer diese verändern wird. Wenn es keine Antworten mehr gab, wenn sich vieles immer mehr zuspitzte, haben viele Argumente den Anschein von Ausflüchten.

In dem Fall, wenn Klette in seiner hautengen Philosophie Gestalten in ihren Bewegungen einfängt und in die Ausmaße großer Räume einlenkt, wie auch meine Hinweise aus einer für diese grauen Vorzeit aufnimmt, die für mich als einmaliges Erlebnis so auch heute noch von Bedeutung sind, wird er eine Lawine auslösen, mit der er in grauenvoll rasanten aber ehrlich gemeinten Abfahrten sein Ziel erreicht. Am Ende sind alle seine den Horizont erweiternden maskierten Damen, Dogen und Kunstanhänger in Schlachtordnung gebracht und auf einen langen Kampf vorbereitet, dessen Wandel allein so viel innere Logik zeigt, dass sich so mancher Anwalt damit rühmen würde.

Am einzigartigen Aufwand, der getrieben wird, um gegen die eigene menschliche Schwäche vorzugehen, lassen sich starke Naturen erkennen, so es ein relativ großes Verlangen und stark emotionale Erinnerungen gibt, zwischen denen eine Kluft existiert, ein immer größer werdender Riss hervortritt, solange auf der einen Seite einer lächerlichen Erniedrigung vor dem gleichmachenden Gesetz zugestrebt wird, indem etwas formuliert und umgesetzt werden soll, aber nicht höher als der persönliche Erfolg bewertet wird, der mit aller Strenge abgewertet wird, dass sogar aufreizende Ungerechtigkeit überspielt wird. Um mich aus dieser wirklich teuflischen Verstrickung herauszuhalten, musste ich lernen. Möglichst nicht bloßstellen lassen. Ich streite nicht ab, dass sich auch hier jemand auskennen kann, mit dem es ab und zu möglich gemacht werden sollte, sich aus prekären Situationen zu retten. Mit großer Sicherheit ist von billiger Unterstellung im Kleinkrieg nur ein kleiner Schritt, um tief verletzt aus einem Vergleich mit großen Idealen atemlos aufzutauchen, mit den aus Verlegenheit, weil nichts anderes mehr gesagt werden konnte, vorgebrachten und so verworfenen Meinungen, die wie Ketten jeglichen Kampfwillen aufreiben.

In einer völlig freien Darstellungsart und mit einem persönlichen Zeitbezug greift alles, was an Vorstellungskraft unterstellt werden kann, auf Erfahrungen über. Nur von einer Zustandsformel, die bisher keine Daseinsberechtigung hatte, wird berücksichtigt werden können, was unbedingt an Kunstverständnis aufzubieten sein muss, um den immer stärker und unbekümmerter machenden Lebenszeichen aus den Monotypien und Radierungen Herr zu werden. Welche sonderbaren Einzelheiten auch über den Weg  zum Verständnis laufen und Steine in diesen legen, es werden auf jeden Fall Reflexe angesprochen, die zuerst fast nie richtig eingeordnet werden können. Der so adäquat reagierende Betrachter tritt in seinem geregelten Leben ebenso in Erscheinung, auf jeden Fall doch für einen außenstehenden Betrachter. Bei vorsichtiger Annäherung an kuriose oder karnevaleske, wie man heute sagt, Reaktionen auf das Schicksal aller Menschen, wo es keine allgemein vorgezeichneten Richtlinien mehr zu geben scheint, lassen sich farbenfrohe Eindrücke sammeln…

Zum Beispiel wird, vor einem `verwundeten Sokrates´, wie einem Opfer der Neuzeit, ein reflektierender Normalverbraucher mit einigem Abstand zu einer vor einer Wende entstandenen Monotypie stehen bleiben. Ein Sokrates mit dessen sozialer Leutseligkeit schon immer mit Herablassung positiv Gegenüberstehender wird keinen Anfeindungen ausgesetzt sein, möchte er dann nicht nachgeben und beim anhörenden Durchleben aller Privatangelegenheiten nie persönlich werden. Der unverwechselbaren persönlichen Note von einflussreichen Leuten ergeht es theoretisch ebenso, denn je leichter uns ein Lächeln abverlangt werden kann und die Gedanken eine grenzenlose Zeit wie im Traum überstehen lernen, wird die Verewigung, wofür sich ein jeder in der Liebe zur Kunst verausgabt, bei Willensschwäche aufpulvern. Ich komme zur Überzeugung, dass Klette auf für mich so naheliegende Existenzfragen nicht eingehen wird, was soll auch von märchenhaften aber wertlosen Reibereien zu erwarten sein? Immer zur lange verfolgten und dann auf einmal sich ergebenden kleinen Aufmerksamkeit übergehen zu wollen, so verstehen sich alle Bestrebungen, die auf das andere Geschlecht gerichtet sind.

Werden nun aber solche Aufmerksamkeiten abgewiesen oder sind sie nicht berechtigt, weil keiner adäquat reagieren kann, weil nur Leere zu erkennen ist, hat jeder aufgehende Stern zu verblassen. In schneller Abfolge zugesagtes und zurückgenommenes Anliegen verleiht dem Zusammenleben Aktivität und vor dieser Intensität in allem, was in der Möglichkeit und Reichweite seiner Vorstellungen liegt, beginnt mein eigenes, zuerst zaghaftes und später überzeugtes Wundern, wo dies lebendige Gespür für die richtigen und sich häufenden Wesenszüge des Partners herkommt.

Gleichwie nebenbei wird unverzüglich, wo etwas vorgespielt werden soll, von Klette alles zugegeben, um nicht in den Verdacht zu kommen, dass er in Schutz genommen werden möchte, als eine schwache Kreatur, und sie wurde etwas verlegen ihm gegenüber, weil er etwas mehr Zurückhaltung zeigte als nötig. Aber sie wies ihn nicht ab, weil sie seine spontanen Annäherungsversuche lediglich als Versuche deutete, die in der Mehrzahl später übergangen wurden, um den Rückhalt darzustellen, der im besagten Fall durchaus angebracht erscheint.

An dieser Regel, die er stets befolgte, erkannte ich den guten Ansatz zu einer Verlässlichkeit, wo mit nie nachlassender Geduld ein steter Wandel in mehr als notwendigen Lebensgewohnheiten axiomatisiert wurde. Er sah auf das Prinzip, womit sich die Schlussfolgerungen eine nach der anderen anboten, leicht mit neuen Gefühlen untermalt. Woher sie auch kamen, es war eine lange Vorbereitung notwendig gewesen und dazu lag immer ein Vorwand vor. Es war der jugendliche Leichtsinn, mit dem es frühe Erfahrungen gab und nun war ein Abrutschen in eine Gefühlskälte zu erkennen, wenn es in den Kram passte, da ein neuer Stand erreicht war. Ohne Skandal konnte sich das fortsetzen lassen, womit schon immer ausgekommen werden musste. Eine überlegte Kursänderung im Lebenswandel hat eine Kursänderung zur Folge, ohne die viele Dinge unerreicht bleiben müssen. Erst mit der sich eröffnenden, ja sogar aufdrängenden Sicht, mit der der große Zusammenhang eingefangen werden kann, geht eine gefühlsmäßige Erkenntnis einher, die hiermit von vornherein fehlerfrei ist.

Woher kommt eine kategorische Absage an Fehler? Nur nicht mit absoluter Beziehung zur Person, die frei von Bestrebung ist etwas hinzunehmen, was erniedrigen muss, aus der Selbstlosigkeit heraus, mit der beim ersten Fehler schon mit Verdammnis gerechnet wird. Es ist der gegenteilige Fall eingetreten, wenn die Fehler auf andere abgeschoben werden, und es ist die Stärke der in einer gedachten Überordnung zugeneigten Auferstandenen, die sich in einer göttlichen Zueignung einer ikonenartig wirkenden Rettung verbürgt.

In meiner berechtigten Suche nach einer ordnenden Instanz in dieser leeren Selbstnatur ist jeder Zusammenstoß mit einer zu einem auserwählten Kreis gehörenden Person Anlass, auf das völlige Fehlen einer Aufstiegschance zurückzublicken. Diese ideologische Basis ist so rein, weil mit jedem Fehltritt diese Chance geringer wird. Dagegen gibt es Bündnisse mit ausartendem Lebenswandel, um von einer Energie zu überzeugen, die sich nie mehr bändigen lässt. Um dieser Energie widerstehen zu können, bin ich veranlasst, mich auf´s Glatteis zu begeben, wovor es einen natürlichen Schutz gibt, der vielleicht sogar angeboren ist.

Anstelle einer wundersamen Einkreisung lange schon vorliegender Fähigkeiten müssen sich prosperierende Eigenheiten, die nur bei mir zu einer Blüte kommenden können und denen zum Durchbruch verholfen werden kann, so unmerklich zur Dominanz führen lassen, dass die ganze Aktivität darauf ausgerichtet werden kann, was niemals den Zustand des Wartens aufkommen lässt. Das unbestimmte Warten bringt wie das bewusste Erwarten einen Zustand näher, wo verschieden Ereignisse, die auf der richtigen Linie liegen, mit größerer Sicherheit eines positiven Ausgangs aufgenommen werden. Das ist nicht immer so, weil verschieden Absagen folgen können, die beim `Dummenfang´ die betreffen, die auf der Strecke bleiben.

Solches Eingreifen zur Besinnung bringender Nackenschläge hält solange vor, wie immer wieder vor die Frage gestellt wird: `quo vadis?´ Die immer mehr zur Realität werdende Bewertung von Absagen darf nicht verbittern, denn es gab entsprechende Begebenheiten, und die sind stets einer Erinnerung wert. Aber was aus dem Gedächtnis aufsteigt, ist so lose verankert, wie das, was sich nie zur rechten Zeit ankündigt, schicksalhaft hinter den Ereignissen zurückbleibt, wie sehr auch der Wunsch vorliegt. Daran liegt es!

Ich fühle mich überfragt, wenn eine vom ununterbrochenen Einfangen andeutungsweiser Lebensrhythmen ausgehende Welle aufgesogen wird, wie Meereswasser vom Sand am Strand. Ist es die Frage der nicht verlorenen Größe, aus deren Sicht einzig ein Ansprechen zugestanden werden sollte, überwiegt theoretisch das Verlangen nach starken fremden Einflüssen, zumal man es sich an den zehn Fingern abzählen kann, ob es einmal nach dieser Theorie gehen wird. Wer von einleuchtenden Worten mit ihrem eindringlichen Klang erweckt wird, um nicht hinter den Ereignissen zurückzubleiben, vermag aus einer Versunkenheit aufzutauchen, die sich aus dem vollsten Unverständnis eines Fremden und anziehenden Glückspilzes ergibt. Kann die Identifikation mit lange nicht mehr vermuteten und dann zur Illusion gewordenen Zusammentreffen bis ins intime Kennenlernen gehen, so bleibt von der eigenen überwältigenden Kraft etwas erhalten. Diese ist in der ungestümen und brennenden Leidenschaft einzig auf die höchste Erfüllung und Realisierung in der Anbetung der Schönheit bleibender und sich nie bewahrheitender Aussagen einzustimmen. Dieses bestätigt sich auch durch einen Vergleich mit einer mütterlich bemitleidenden Geste, sollte Kindern etwas gegeben werden, was sie als Glaubensbekenntnis durch die Annäherung bestärkt und aufrichtet, so dass die kleinen alltäglichen Dinge aus höherer Sicht betrachtet werden, um sie so besser begreifen zu können. An dieser ikonenhaften Symbolik kann eine Ausstrahlung verspürt werden, weshalb eine permanente aber nie zu Ende geführte Entwertung dieser Symbolik an die unerreichbare Schöpfung gebunden scheint.

Kapitel 8    IMAGO ANIMI VULTUS

Es wird mich nicht mehr berühren, wenn ausgesprochen alles auf dem Gesicht geschrieben steht, jedoch, um Fakten nachzugehen und damit Problemen auf den Grund gehen zu können, mit denen sich noch keiner herumgeschlagen hat, sind die Hände gebunden. Was an eigenem Durchblick vermisst wird, kann als mangelndes Entgegenkommen aufgefasst werden, wenn zur eigenen Person nur mehr als vage, oft aber unrichtige Aussagen belanglos erscheinen müssen, wenn sie von Außenstehenden herübergereicht wurden.

In verhärteten Zügen wird nie lebendige Anteilnahme zu erkennen sein. Wer sich festlegt, und das kann sehr tiefe Wunden vermuten lassen, hat ausgespielt. Bin ich weit von einem solchen Standpunkt entfernt? Wie sieht mich Klette? Sieht er den Triumph, der ihm zu sehr hervorgekehrt erscheint und nicht mehr rückgängig zu machen ist, bleibt es kein Rätsel für ihn, mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen haben wird. Dabei ist er nicht müde geworden, sich bei allen Möglichkeiten umzusehen, was von seiner Umgebung anerkannt wurde. Hier lag eine Stärke, die mancher dem Sternbild zugeschoben hat, unter dem er geboren wurde. Dennoch ist er ausgesprochen  unbefriedigt geblieben, soviel ich ihm auch zutraue. Aber höchstens schwacher Trost begleitete alle seine Höhenflüge und Tiefschläge, weil er unerhebliche Begeisterung anerkennt, aber nur in einem Wertsystem, das er sich selbst aufgebaut und für niemanden zugänglich gemacht hat.

Es fehlte einfach nur die Anerkennung, mit der für ihn viele Probleme wegfallen würden, die mit einer für viele zutreffenden leichten Erregung gelöst werden. Alles hängt von einer Gewissheit ab, die kleine Zuwendung erwarten zu können, die vieles ausmacht.

Wenn es zuerst so aussah, als ob von der ehrlichen Bestrebung, jedes schöpferische, über die Stränge schlagende Wagnis einzugehen, nichts verblieb als wehleidige Niedergeschlagenheit, so kam dennoch eine Überwindungskraft ins Spiel, mit der auf leise Eingriffe Reaktionen folgen und einlenken, um eine restlose Abkehr von früheren Charakterschwächen hervorzubringen. Damit wurden einzelne Erkenntnisschritte immer mehr in Bahnen gelenkt, die den Anschein gutgläubiger Vernarrtheit erweckten, wovon der Ablauf insgesamt entlastet wurde und auch nicht mehr aussichtslos unterbrochen wurde, weil, gesetzt den Fall einer eigenen Position, diese betrachtet werden konnte. Hierfür musste verstanden werden, dass die Kunst da beginnt, wo ausgehend von einer offensichtlichen und geläufigen Sache etwas Geheimnisvolles und Ungeahntes über die Welt ausgesagt werden kann.

Um die unmerkliche und damit kunstvolle Art und Weise war er beneidet worden, weil es vielleicht doch jemanden gegeben haben konnte, der ihn so einschätzte, dass er doch etwas hiermit verbunden war. Hatte er sich klar machen können, dass bei aufwallender Ungehaltenheit in vormals als gegeben hingenommenen Gewohnheiten sehr oft Fehler unterlaufen, so lag jetzt alles nur an einer inneren Bereitschaft, wenn dazu die ausreichende Aufmerksamkeit aufgebracht werden konnte, um eine Veränderung feststellen zu können, die immer wieder scheinbar vom rechten Weg abbringen sollte, aber bei eingehender Betrachtung nur alles auf den Kopf stellte. Die immer intensiver hinzukommenden Vergleichsmöglichkeiten können dann in die Vorstellungswelt eingebaut werden und es folgt ein rapides Wachstum. Im einbegriffenen Umfeld des Mangels an Möglichkeiten zum Kontakt wird wahrgenommen, was vormals zu abwegig erschien, um eine normale Gelegenheit ohne provozierendes Unverständnis heraufzubeschwören, ohne eine Barriere zur eigenen Empfindung der Atmosphäre eines `Buddelkastens´ aufzurichten, damit die kindliche Unbefangenheit erhalten bleibt. Das ruft bei mir dann immer einen ulkigen Eindruck von Klette hervor, was er an einem verhaltenen Kichern natürlich sofort mitbekommt. Er war seinerseits dann noch verstörter, was sich aber immer mehr gegeben hat. Er ließ sich an die Hand nehmen und das war schon der erst Schritt zum Kontakt. Eine paradoxe Vorbereitung seitens Klette nie auf sich allein gestellt aufgenommener Gespräche und auch die Zusammenführung mit einer Auserwählten wird davon nicht unberührt bleiben. Die Entdeckerfreude bei diesem einzig offen gebliebenen Lebensziel wird alles andere überschatten, wobei es einzig und immer wieder darauf ankommt, so zurückzuschauen, dass nie Verdacht aufkommen kann, sich in eine verletzende Einbildung verrannt zu haben.

Die nach einer näheren Bekanntschaft bleibende, von Zuneigung bestimmte Anhänglichkeit lässt sich schwer überwinden und eine auflebende Reue stellt nur einzelne Begebenheiten in Frage, nie aber wird alles vergessen werden können. Es wäre jedoch anzustreben, wenn nicht das eigene Hoffen auf die Erinnerungen aufbauen würde, die sich besser nicht wieder einstellen sollten, von vollständigem und radikalem Ausgrenzen von Verhaltungsweisen auszugehen.

Ein so theoretisch mögliches Ideal wird stets stärker aufleben, wenn es um weitreichende und unerwartet Fortschritte machende Anstrengungen gegen gefühlsmäßiges Nachhängen bildhafter Schönheit geht.

Es verhielt sich aber ähnlich, wenn Alle die Hände sinken ließen, weil es sich eben gerade so im Leben zuträgt, und keiner vom Schicksal vorgezogen wird, sondern sich hinter dem Rücken des Anderen verstecken möchte. Nein, die volle Breitseite, von der feindlichen und in aller Öffentlichkeit wie mit kleinen Flaggen auf der Karte gekennzeichneten Linien, hinter der die ganze Mannschaft steht, abgefeuert, muss abgefangen werden, sonst würde etwas nicht mehr stimmen, wovon des Bestehen der Menschheit abhängt. Mit dieser ganz klaren Absage an den anderen Teil, der sich nie soweit annähern kann, dass sich aufdrängende Einzelheiten zu erkennen gäben, war ein Credo ausgedrückt, von dem nur das Geheimnis zurückgeblieben ist, das ich langsam zu lüften vermochte.

In einer gelangweilt abwartend vorgezeichneten Entwicklungsrichtung bewegten sich wie aufdringliche aber nicht klar umrissene Wandlungen, von einer Konfrontation ausgeschlossen bleibend, da keine Interessenten wie um einen heißen Brei herumredeten. Mit der Zeit stellt sich der Mensch darauf ein, auf Umwegen das erreichen zu können, ohne einer jeglichen Erkenntnis fähig sein zu müssen, worum es ihm eigentlich ging. Scheinbar krank machende Unentschlossenheit. In solch elender Verfassung bleibt er die Zielscheibe von Spott und Erniedrigung, was sehr verhängnisvoll werden könnte, würde er nicht zu verstehen geben, dass früher oder später eine grenzenlos ausufernde Sühne folgen wird, vor der er allein beschützt werden würde. Er wird nie beginnen und wie im Schachspiel der Nachziehende sein. Sobald er diese Konstellation wahrnimmt, ist für ihn der Handschuh geworfen und es geht nur noch um den Sieg. Der Zustrom von neuer Erkenntnis bringt nun in die gewohnten Bahnen zurück, in die sicher gezeigter guter Wille nicht mehr hineinpassen kann. Es kommt sofort zu einer überschwänglichen Nutzung aller früher gesehenen Möglichkeiten. Was dann noch bleibt, müßig etwas anderes anzunehmen, ist der letzte Brotkanten, der für die Kinder hergegeben werden würde, bis dass ein Angestellter vom Fundbüro einverstanden wäre, das Verlorene nach eingehender Beschreibung herauszugeben.

Ich kann es mir nicht erlauben, darüber zu richten, denn es sollte eigentlich nur darauf ankommen, dass es nie wieder ein Hungergefühl geben wird. Vor der Annahme eines solchen Opfers steht der beschützende Untergang aller verbuchten Rechte aus menschlicher Anteilnahme, die so stark anerzogen werden könnte, dass die, die sich etwas ähnliches zutrauen, einfach untergehen müssen. Bei einem richtigen, von mir eingeleiteten Kesseltreiben, vertrete ich meinen Standpunkt, war ich doch auf ihn angewiesen, denn er war meine ganze Hoffnung, solange, bis diese nicht mehr bestehen bleiben könnte.

Also bliebe es bei der Vorliebe zum Opfer bei denen, die nicht erkannten, dass in mir etwas aufleben will, wie in allen Menschen. Ein Mangel an Charakterstärke wird nie aufzuwerten sein, weder dann, wenn Geld genug vorhanden ist, noch bei Streben nach Macht, und eine Umkehr wird auf einen Weg führen, den zu gehen noch mehr Hingabe an eigene Freude versprechen wird, was für die gilt, die nur so leben können, weil es die einzige Möglichkeit ist, etwas für den Anschluss an einen Kreis sich zusammenfindender Menschen zu tun. Niemals wird es zu einer Abkehr kommen können, solange das Opfer entgegengenommen wird.

Es wäre einfacher von komplizierten Einsichten abzulassen, aber mit verschiedenen Varianten würde es ein Einstellen auf neue Kräftekonstellationen verständlich machen. Sobald Klette sich vornahm, Oberhand zu gewinnen, verlegte er sich auf genau das Distanzieren, das unterschiedlich als Abneigung oder Flucht in eine rettende Anonymität gewertet wird, womit er wiederum gereizt erscheint, mit seiner Scheu vor virtuellen Eingriffen in sein persönliches und scheinbar ungestörtes Dasein. Es ging von ihm eine völlige Interessenlosigkeit aus, wenn den schon leidigen Begleitumständen verfahrener Situationen und verkrachter Existenzen etwas abgerungen werden sollte. Deshalb würde er nie in Verlegenheit kommen, sich an Dingen aufzuhalten, die scheinbar kaum noch zu ändern sind. Jeder, der versuchte aus seiner Misere herauszukommen, war bei ihm an der falschen Adresse. Es gab keine Hilfe, kein Gespräch, keine Überlegungen, aber immer ein Gefühl der Hilflosigkeit. Ungewissheit und Verlassenheit, ja sogar Einsamkeit, die jeder Stagnation innewohnen musste, was lediglich für einen Moment in Vergessenheit geraten war, konnte er Jemandem in die Augen schauen, bis er vorübergegangen war.

Deshalb begann er immer mit starker Aktivität, sobald etwas im Gange war, womit er die Partner meist überforderte. Die ursprüngliche Vorsicht, vor jeder neuen engeren Beziehung erst einmal zu testen, was der Andere vorstellt, um ihn dann damit festzulegen, verfolg vor allem dann, wenn die Durchtriebenheit einer Unsicherheit weichen musste, weil es keinen Anhaltspunkt für unsinnige Erniedrigung mehr gab. Es blieb nur ungehaltene und freie Darlegung überraschender Fakten, die bunt durcheinander gewürfelt nichts als ein heilloses Durcheinander für den darstellen, der sich ein Bild machen wollte. Diese Akribie, mit der er seinen Gesprächspartner aufs Glatteis führte, war verblüffend und fast theatralisch vorgespielt. Da aber keine Ambitionen dahinterstanden, wurde mit der Zeit jegliche Annäherung an vertraute Pflicht und damit Einschränkung der Freiheit unsinnig, was sofort abwegig wirken musste.

Ich war mir nicht sicher, wo mein Platz sein sollte. Hätte er mir nicht sofort diesen Hexenkessel beschert, da ich nicht ausschließen konnte, dass er sich allein in meinen intimsten Sphären zurecht finden wollte, damit ich meine Hoffnung auf einen guten Start nicht aufgeben musste, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, weiter an ihn zu denken. Vor allem, als die Frage einer eigene Realisierung, die sich durch fremde Beeinflussung totlaufen muss, immer aktueller wurde. Als hätte ich mir schon zu viel aufgeladen, oder in der Ausdrucksweise von Klette, Dinger gedreht, mit keiner Wimper gezuckt, um meinen Weg zu gehen, der nun schon an seinem Ende angekommen zu sein scheint. Er kann weder für sich noch für mich die schützende Aura zur Wirkung bringen, die ich so nötig gehabt hätte.

Es wäre schon ein erster Schritt zur Annäherung getan, wenn er mir gegenüber eine Seite seiner Persönlichkeit zeigen könnte, die sehr intim ist, wo es sonst keinem gelingen würde, weiter in ihn eindringen zu wollen. Ich habe aber zuerst den Versuch unternommen, eine eigene unverwechselbare Präsenz durchzusetzen, um wenigstens in meinen Gefühlen beruhigt zu sein. Dass es nicht umsonst gewesen ist, unter Missachtung der Meinung von verschiedenster Seite auch ein wenig auf seine Befürworter zu hören, auf die sich zu berufen ich mir nicht ohne Anerkennung eingestehen kann, darin lasse ich mich nicht beirren. Es geht meist nicht um eine allgemeine Anerkennung, sondern um die Anfeindungen, die später als gegenstandslos zurückgenommen werden. Ich hätte nie für seine so häufig erbrachten Beweise einer Vorliebe für abgehandelte Themen  Verständnis zeigen sollen, wo alles mit heilloser Kritik am Ziel vorbeigehen musste, wo ich in eben diese Lage geriet, wie so viele der Ungläubigen, die sich nicht an ihrem Erfolg orientieren können.

Schwer zu erkennende Einflüsse, die wie vom unverständlichen Reden hervorgerufene unzulängliche Vorstellungen wirken können und zu all dem führen müssen, dass zu lange und zu haltlos diskutiert wird, sind in unser Leben eingetreten. Damit wird alles darangesetzt, die erteilten Lektionen in die große Form zu bringen, die einzig eine Botschaft enthalten kann, die der Seele zuspricht, die fremde Einflüsse abwehren muss, die nichts mehr bedeuten, aber sich sehr stark hervortretend zur Verblendung eignen. Erst nach einer scheinbar sinnlos verbrachten Zeit, ausreichend nur, um sich aufrichten und belehrt einlenken zu können, ist ein weiterer Schritt zu tun, und dazu wird die große und pathetische Form dienen: Ich kann mich mit meinen Ambitionen nicht zurückhalten, so will ich in meinem Metier aufgehen und das finden, womit ich mich zeitlebens beschäftigen würde. Würde groß herauskommen, um unerreicht zu bleiben. Ich würde für immer mit der rührenden Märchenwelt vereint sein, wo es weder Übertretungen noch Nachsicht gibt. Ich bin in seinen Annahmen ein Ideal, wovon ich selber nichts geahnt habe. Nur, damit er alle Sorgen vergessen konnte. Dazu ist keine Frau fähig. Mit dieser Ansicht wird allein ein Mann konfrontiert bleiben, und dabei darf er nicht müde werden, sich nicht beirren zu lassen, denn wie schnell wäre dann ein Blütentraum geplatzt und vergessen.

In der Männerwelt bestehen männliche Ideale, wie Maler einen Kreis aus freier Hand zeichnen können, der sich mit der Sonnenscheibe decken lassen würde, um eine künstliche Sonnenfinsternis hervorzurufen. In einem Kreislauf, den die Sonne am Himmel vollführt, wird ein idealer Mechanismus offenbart, an den sich alle Menschen anpassen. Eben dazu: eine Sonnenfinsternis kann die Himmelsmechanik  exakter untersuchen lassen. So wie auch die allgemeine Relativitätstheorie für die Photonen bestätigt werden konnte, da das Licht der Sterne durch die Sonne abgelenkt wird.

Unter vielen Faktoren, die einen Kreis stören, findet sich vielleicht einer, der eine insignifikante Ausnahme bildet, mit der sich alle Ungereimtheiten so wegschieben lassen, wie Schnee vom vergangenen Jahr. Hiermit eingeschätzte Wirkungen lassen bei genügender Vielfalt der Retrospektive auf starkes Engagement schließen, so dass diese nicht mehr Effekt haben als ein erhobener Zeigefinger. Bevor noch einmal versucht wird, solche Probleme vor der fremden Haustür aufzutürmen, muss eingesehen werden, dass es eher langweilig zu werden scheint, als ob die Zeit nicht ausreichen würde, abgesehen davon, dass noch vieles auf der Seele liegt. Auch in der Kunst liegt Vielen an der Versöhnlichkeit, meist als Talent bezeichnet, mit der sie sich realisieren lässt.

Mit leichter Hand erfolgter Eingriff in eine ursprünglich belebende, weil so gut bekannte und über alle Wechselfälle hinübergerettete Befähigung zu echten Gefühlen ist für viele Dinge ein vielversprechender Anfang. Ohne diesen Einstieg darf nichts unversucht bleiben, buchstäblich an allen ernst zu nehmenden Umständen Gefallen zu finden. Der meist durchlebte Zustand ist davon gekennzeichnet, dass sich ein sehnsüchtig erwünschter weil bekannter Fall ergeben soll, der an und für sich erst eintritt, kann er in einen zu konstruierenden Zusammenhang gebracht werden, so wie etwas Bedeutendes im alltäglichen ex officio als selbstverständliches Gebet wiederholt wird. Das ergibt ein heftiges Verlangen, das sich gleichwie zwischen Himmel und Erde aufspannt. Ich würde nicht die Sterne vom Himmel herunterholen wollen, das ist doch nur ein Versuch, sich auf Ideale festzulegen, womit in Gedanken die angesprochen werden, die sich materiell und ideell realisieren und mit beiden Tatsachen gelernt haben auszukommen, weil so wenig von diesen bekannt ist. Ob ein Verlangen auf fruchtbaren Boden fällt, wird an der Praxis zu erkennen sein, an einem lang erwarteten Ergebnis, das durchaus stets in Sichtweite bleiben kann, um immer wieder neu in Erinnerung gebracht und später wiedererkannt zu werden.

Vor allem wird registriert, wie viel Einwände vor die Hunde gingen, denn niemals habe ich mich mehr verausgaben wollen als notwendig, wenn richtig beim Partner ankommende Beweggründe sehr schnell, wie sie nun einmal von mir formuliert werden, folgen können, es aber nicht müssen. Argumente von Klette, mit Verständnis aufgenommen, haben mich mit überschwänglichen Gefühlen konfrontiert, ich könnte seinen Beistand nicht mehr verlieren, als wolle er sich ein Idealbild machen, um sich mit diesem mir anzunähern. Er hat ein unbedingt skeptisches und damit abwartendes Verwandeln meiner natürlichen Anlagen vor sich, vor sich ein hervorragendes weibliches Wesen, das ein Bild bleibt, das er irgendwo zu seinem Ideal gemacht hat und mit dem sich bei ihm eine bleibende Erinnerung einstellt. Es kann nicht wegbleiben, nur ab und zu verblassen, um mit neuer Kraft zu erstrahlen. Diese überwältigende Heimsuchung durch den einer Frau und damit meiner Person zugedachten Ausdruck von Überraschung, wo auf einmal etwas hervortritt, was ich doch nie zu den eigenen Fähigkeiten gezählt hätte, wäre es doch unmöglich mit anzusehen gewesen, dass das alles auf gleicher Weise wieder verschwinden würde, bis auf eine vage Erinnerung an unerhörte Erregung. Ich konnte ihn fesseln, an mich fesseln. Dabei wird es aber nicht bleiben, sondern sich verbreiten wie ein Lauffeuer. Es wird noch mehr verborgenes Glück angetastet, ertastet… Wird es erst nicht als Glück erscheinen, aber mit der Aussicht zu einem Schönheitsideal Seite an Seite mit dem wahrhaftigen Bild zu werden, schon tief empfunden, hätte sicher niemand etwas dagegen, von Glück zu sprechen.

 

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NaNoWriMo Roundup: Seasoned Authors Share their Secrets

No more longer without any ideas.

The Daily Post

At the stroke of midnight tonight, aspiring writers everywhere will take a deep breath. One second later, their blank screens won’t be blank any longer — for quite a while.

November 1st marks the start of National Novel Writing Month (NaNoWriMo). The annual fiction extravaganza will bring together more than 200,000 writers this year, first-timers and pros alike, each committed to hammer out 50,000 words of sparkling fiction over the course of the month.

Have you signed up but feeling queasy about taking the plunge? Are you still not sure if making the commitment is right for you? Here to give you expert advice are five veteran NaNo authors: they each leveraged their NaNoWriMo project into a published novel (some more than once!), and they all also happen to be active WordPress.com bloggers. You’re in good hands.

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